Kontroverse zwischen Polizei und Stadt
Quelle:
WAZ vom 07.12.2005 / LOKALAUSGABE / DUISBURG
Aber außer einem Schlagabtausch zwischen Polizeipräsident und Stadtdirektor erbrachte die Bürgerversammlung der SPD
in Mündelheim wenig Neuigkeiten zur Verkehrssituation auf der B 288.
Von Martin Kleinwächter
Sie hatte hohe Erwartungen geweckt, die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Süd, als sie am Montag auf den Ellerhof
nach Mündelheim eingeladen hatte, um über die Zukunft der B 288 zu diskutieren. Aber statt der erwarteten Ankündigung
der neuen CDU-geführten Landesregierung, den autobahnähnlichen Ausbau der B 288 bis nach Uerdingen vorzuziehen und
in Höhe Mündelheim abzudeckeln, gab es nur dies: Die vor rund zwei Jahren bereits angekündigte Tempo-Reduzierung auf
50 km/h im Kreuzungsbereich mit der Uerdinger Straße mitsamt dortiger separater Ampelschaltung für Linksabbieger aus
Krefeld wird es wohl im Sommer 2006 geben. Dabei waren mindestens 50 Bürger erschienen, um der Notwendigkeit von
mehr Unfallschutz auf der Ost-West-Schnellstraße Nachdruck zu verleihen. Der von der SPD angekündigte Mitarbeiter von
NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke war nicht gekommen. Dafür gab Berthold Schmeing, Leiter der Niederlassung Essen
vom Landesbetrieb Straßenbau, kund, von solchen Plänen nichts zu wissen. Die aber soll Wittke im Gespräch mit einer
SPD-Delegation aus dem Duisburger Süden vor einigen Wochen angedeutet haben. So erlebten die Besucher denn einen
Schlagabtausch zwischen Polizeipräsident Rolf Cebin und Stadtdirektor Jürgen C. Brandt über Sinn und Unsinn von
städtischen Tempo- und Ampelkontrollen. Seit 1989 weigert sich die Stadt, solche Kontrollen zur Entlastung der Polizei
selbst einzuführen. Einen entsprechenden erneuten Vorstoß hatte die Süd-SPD zuletzt zurückgezogen, um die neuen
Pläne aus Düsseldorf abzuwarten.
"Städtische Kontrollen wären ein konkreter Beitrag zur Verkehrssicherheit", so Cebin. Die Stadt habe die Befugnis dazu,
aber sie mache es nicht. Die Polizei würde dadurch nichts sparen, könnte sich aber anderen Aufgaben intensiver widmen.
Und der Stadtdirektor: "Bei Abbiegeunfällen nutzen ,Starenkästen' gar nichts. Außerdem wird an ihnen gezielt langsam
vorbei gefahren. Es helfen nur mobile Radarkontrollen." Die Polizei habe Personal und Fahrzeuge. "Warum müssen wir sie
anschaffen?"
Die Bürger erhielten nicht auf alle Fragen Antworten, etwa, warum platt gefahrene "Bischofsmützen" nicht zügig ersetzt
würden, warum das gefährliche Linksabbiegen aus Krefeld auf der Rampe zur Rheinbrücke nicht wirksam unterbunden werde
und was es mit Überlegungen auf sich habe, eine vereinfachte Anbindung des so genannten "Mannemann-Ackers" an die
B 288 mittels einer normalen Kreuzung herzustellen.
SPD-Sprecher Dietmar Eliaß widersprach jedenfalls den von den Beamten vorgetragenen Einschätzungen, es gebe anderswo
dringenderen Handlungsbedarf, die Unfallhäufigkeit sei mäßig und das Gros der Zusagen von vor fast zwei Jahren längst erfüllt.".
Die Stadt darf Raser blitzen. Aber sie macht es nicht."
Fakten zur B 288
Noch 2001 befuhren täglich rund 32 000 Autos die B 288. Seit Fertigstellung der neuen Rheinquerung der A 44 bei Meerbusch
sind es nur noch 24 000 Autos, zuletzt jedoch wieder 3 000 Autos mehr, vermutlich Ausweichverkehr von der A 40-Baustelle
an der Rheinbrücke, die noch anderthalb Jahre bestehen wird. Zwischen Uerdinger Brücke und Anschlussstelle B 8 gab es 2003
insgesamt 68 Unfälle mit 31 Verletzten.
Zum Vergleich: Am Verteilerkreis Mercatorstraße in Stadtmitte wurden 154 Unfälle mit zehn Verletzten registriert. mkw