Bauern fürchten Autobahn  
Quelle:  vom 15.10.2009

 

http://www.rp-online.de/public/article/duisburg/769718/Bauern-fuerchten-Autobahn.html

 

VON STEFAN OSSENBERG

Duisburg (RP) Nachdem der Deichrückbau beschlossene Sache ist, müssen die Landwirte im Süden der Stadt jetzt um weitere Felder fürchten. Durch den Ausbau der B 288 zur Autobahn könnte die Fläche eines ganzen Hofes wegfallen.

Süden Erst der Deichrückbau, jetzt der Autobahnausbau – die Landwirte im Duisburger Süden haben es momentan nicht leicht. Jahr für Jahr gibt es eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Deren Inhalt? Immer weniger Fläche, auf der die Bauern Obst und Gemüse anbauen können.

 

Rund 70 Hektar fallen weg

 

„Zwar bin ich an der Stelle, an der die Autobahnauffahrt für die zukünfitge A 524 kommen soll, nur mit Pachtflächen vertreten, aber trotzdem schmerzt es uns Landwirte, dass das rund dreifache eines Hofes im Duisburger Süden wegfällt", berichtet Hermann Blomenkamp, Vertreter des Bauernverbandes und Landwirt im Süden der Stadt. "Man muss davon ausgehen, dass rund 70 Hektar der Landwirtschaft entzogen werden." Denn zu der Fläche, die bebaut werden soll, egal an welcher Stelle dies passiert, muss eine sogenannte "Ausgleichsfläche" geschaffen werden, so der Bauer weiter. Während der Sitzung der Bezirksvertretung Süd, bei der die Pläne von "StraßenNRW" vorgestellt wurden, wollte Projekt- und Straßenplaner Jochen van Bebber sich nicht festlegen, welche Flächen dafür vorgesehen sind. Eventuell könnte auch auf ein Öko-Konto zurückgegriffen werden, so hieß es. Bei einem solchen werden Punkte zu einem bestimmten Preis gekauft, das Geld kann dann beispielsweise für die Renaturierung der Rheinauen eingesetzt werden. Doch ob dies so geschieht, ist bisher fraglich. "Schon bei der B8n haben wir gesehen, dass rund das dreifache der neuen Straße für uns Landwirte wegfällt", berichtet Blomenkamp weiter.

Froh zeigt sich der Vertreter des Bauernverbandes darüber, dass es nun doch eine Wegemöglichkeit nach Krefeld, über den Rhein für landwirtschaftliche Fahrzeuge geben wird. "Im Vorfeld hieß es ja, dass man das für ein paar Bauern nicht machen müsste. Uns wurde gesagt, es sei doch möglich, unser Getreide per Lkw zu transportieren. Aber nachdem aufgezeigt wurde, dass die Alternative darin besteht, dass wir dann nachts durch Wittlaer fahren müssen, hat anscheinend ein Umdenken stattgefunden", so der Bauer.

 

"Am Dorfcharakter wird gesägt"

 

Den Dorfcharakter Serms und Mündelheims sieht Hermann Blomenkamp jedoch bedroht. "An diesem Erscheinungsbild der beiden Stadtteile wird ja immer wieder rmal gesägt." Die Autobahn sei ein weiterer Schritt in Richtung Urbanität, so der Landwirt weiter. "Für die Mobilität und Infrastruktur ist die Autobahn aber wichtig", ist er sich sicher. "Anders als bei der Deichverlegung ist das ganze logisch konzipiert und nicht unbedingt unnötig. Auch wenn wir als Landwirte die eigentlich nicht haben wollen.“

 

Hermann Blomenkamp: Vertreter des Bauernverbandes, ist Landwirt in Serm. Er baut unter anderem Kartoffen an. Durch die Deichrückverlegung, den geplanten Autobahnausbau, so sagt er, würden die landwirtschafltichen Flächen im Süden immer kanpper.  (rp-archivfoto: andreas probst)