Eine von uns:
Lisa Blomenkamp
Quelle:   vom 03.10.2009

Hoch auf dem grünen Wagen

Lisa Blomenkamp (16) hat einen Führerschein für den Traktor gemacht. Nun kurvt sie über Felder und Sermer Straßen

 

Fabienne Piepiora

Um direkt mit einem Vorurteil aufzuräumen: Rückwärts ein­parken ist für Lisa Blomen­kamp kein Problem. Und das, obwohl sie ihre ersten Fahr­versuche nicht etwa mit einem Kleinwagen unternommen hat. Die Schülerin ist erst 16 Jahre alt und hat bereits einen Lappen in der Tasche - für ei­nen Traktor. Wenn sie von ih­rem grünen Gefährt redet, ge­rät sie ins Schwärmen. „Der ist so schön groß, man kann alles überblicken, er schnurrt leise dahin und ist ei­gentlich recht schnell", erzählt sie und kuppelt den großen Anhänger an. Mit dem wird

»Die anderen Töchter
kommen noch nicht
ans Gaspedal«

meist Getreide transportiert. In der Fahrprüfung musste sie mit dem Vehikel zehn Meter rückwärts fahren. Geradeaus, wohlgemerkt. „Das war ganz schön schwierig, aber ich konnte ja auf dem Acker üben." Auf dem Feld ist die Sermerin schon früher umher‑

 



   Lisa Blomenkamp unternimmt gerne eine Spritztour - und kann problemlos rückwärts einparken

gekurvt. Ganz legal, denn nur wer eine öffentliche Straße überqueren will, braucht einen Führerschein. „Die ist schon als Baby auf dem Trecker mit­gefahren, wahrscheinlich ist sie deshalb so begeistert", erin­nert sich Vater Hermann Blo­menkamp. Er ist stolz, dass sei­ne Töchter ihm oft helfen. „Die Jüngeren würden auch gerne, aber die kommen mit ihren Beinen noch nicht an Kupp­lung und Gaspedal."

In der Fahrschule saß Lisa mit gestandenen Männern. Die nahmen allerdings später auf dem Bock von Lkw Platz. Die Theorie, wie ein Motor funktioniert, blieb aber die gleiche. „Es ist sehr selten, dass Mädchen so einen Führer­schein machen", bestätigt

Fahrlehrerin Andrea Bahr. Grundsätzlich gebe es aber ge­nügend Nachfragen, schließ­lich will der Bauern-Nach­wuchs aus dem Duisburger Sü­den geschult werden.

Überall, wo Lisa Blomen­kamp vorfährt, wird sie begeis­tert empfangen. Mit dem Trak­tor beackert sie nämlich nicht nur die Felder, sondern be­sucht auch ihre Freundinnen. Die und deren Eltern wollen alle eine Spritztour in dem grü­nen Fendt 711 machen. Nur zum Mannesmann-Gymnasi­um ist sie mit dem auffälligen Nutzfahrzeug noch nicht ge­fahren. „Vielleicht mach ich das mal, wenn ich nachmittags zum Sportunterricht muss."

Auf zur Probefahrt: 120 PS hat der Fendt unter der Haube. Mit 40 Stundenkilometern tu­ckert er gemächlich dahin. Wer in ihm sitzt, merkt übri­gens nicht, dass man etwas langsamer als die Pkw unter­wegs sind. Mit Augenmaß lenkt sie das riesige Gefährt, dessen Räder sie überragen, durch die engen Straße von Serm und Mündelheim. Links und recht haben Autos ge­parkt. Angst, dass sie vielleicht

einen Außenspiegel streift? Hat sie nicht. „Ich finde das Landleben toll. Man kennt hier jeden und ich helfe gerne mit." Die Sendung „Bauer sucht Frau" hat sie übrigens auch regelmäßig geguckt –und darüber gelacht. „Da ha­ben die besondere Typen aus­gesucht. So sind die Menschen auf dem Land sonst nicht."

Wenn Autofahrer überho­len, gucken sie erst genervt, weil es so langsam voran ging. Doch dann hellen sich die Ge­sichter auf, wenn sie sehen, dass ein junges Mädchen hin­term Steuer sitzt. Frauen knuf­fen ihre Männer in die Seite. Berufskraftfahrer lächeln . Auf ihren Auto-Führerschein freut sie sich übrigens. „Aber das wird bestimmt komisch sein, so tief zu sitzen."

 


In Serm hat die Kürbiszeit begonnen. Vater Blomenkamp ist stolz, dass

seine Töchter ihm bei der Arbeit helfen.

 

KLASSE T

Hilfe für die Eltern

Wer ein landwirtschaftliches Fahrzeug lenken möchte, braucht einen „Lappen" der Klasse T. In der Theorie ler­nen die Schüler auch etwas über den Bordcomputer, der in den neuen Traktoren eingebaut ist. „Diesen Führerschein kann man schon mit 16 Jah­ren machen, weil es früher notwendig war, dass die Kin­der den Eltern auf den Höfen helfen konnten", erklärt Fahr­schullehrerin Andrea Bahr.