Einer von uns:

Reinhard Mosch
Quelle: WAZ-Süd vom 13.01.2009

Der Winter der Landwirte
13.01.2009 / Lokalausgabe


Freut sich über den frostigen Winter: Ortslandwirt Reinhard Mosch mit einem Stück geforener Erde. Es kann künftig optimal Nährstoffe aufnehmen. Von Martin Kleinwächter

Autofahrer mögen es anders sehen, Vertreter von Tätigkeiten mit Bezug zur Natur sind mit dem frostigen Wetter der letzten Tage zufrieden. „Eine wunderschöne Frostperiode", sagt etwa Ortslandwirt Reinhard Mosch aus Mündelheim. „Da träumen wir jedes Jahr von." Diesmal sei der Wunsch Wirklichkeit geworden.

Reinhard Mosch bezieht seine Freude nicht so sehr auf das einmalige Landschaftsbild der endlos weißen Felder im heimischen Rheinbogen. Er führt handfeste Argumente für den rustikalen Winter an.

„Für viele Pflanzen ist der Frost wie eine Stimulation, ein Startsignal dafür, nach oben zu wachsen", freut er sich. Raps könne auch minus zehn Grad aushalten. Sonderkulturen wie etwa Erdbeeren seien da empfindlicher, müssten mit Flies und Stroh abgedeckt werden.

Wie ein Frostschutzmittel wirke dabei die Schneedecke. Mosch: „Sie hält das Tiefkriechen des Frosts auf." Von daher dürften kaum Pflanzen zu Schaden gekommen sein.

„Der Frost ist auch eine Bereicherung für die Böden", erklärt der Ortslandwirt. Noch vom Herbst seien die Böden mit Wasser gesättigt. Jetzt breche der Frost sie auf, ermögliche ihre gute Durchlüftung und die Anlagerung von Nährstoffen. Pflanzen könnten sich damit oberflächennah versorgen und so leichter ihre Wurzeln treiben.

Schließlich erhofft Reinhard Mosch sich vom strengen Winter weniger Schädlinge, mit Pilzen und Insekten. „Sehr viele Insekten überleben den Frost nicht, weil sie sich nah an der Oberfläche aufhalten", sagt er. Nacktschnecken etwa würden bei minus sieben bis acht Grad erfrieren, wenn sie sich nicht zuvor in tiefere Bodenschichten zurückgezogen hätten. „Auf jeden Fall dauert der Neuaufbau der Population länger." Mosch nutzt die Wintertage zu Rückschnittarbeiten, zur Baum- und Strauchpflege.

Hermann Blomenkamp, Gemüsebauer in Serm, fühlt sich an Erzählungen von Wintern in seiner Kindheit erinnert, wenn er an Nächte mit minus zehn Grad und kälter denkt. „Wir hatten minus 16,1 Grad auf unserem Hof", sagt er. Draußen, auf den Feldern, seien es noch ein oder zwei Grad weniger gewesen. „Der Frost macht die Schädlinge, die überwintern, unschädlich, zwingt sie, ihre Populationen neu aufzubauen", freut er sich. Läuse würden schließlich auch Viruskrankheiten an Getreide und Blumen verbreiten.

Wintergemüse wie Grün- und Rosenkohl müssten schon unter minus 20 Grad kommen, um Schaden zu nehmen. Und Porree´ könne auf gefrorenem Boden halt nicht geerntet werden. „Da muss man warten, bis der Boden wieder taut." Viel schlimmer sind für Hermann Blomenkamp überraschende Spätfröste Anfang Mai. Das Rapsherz, zeigt Reinhard Mosch, lässt sich auch von tiefem Frost nichts anhaben. Schließlich wirke die Schneedecke wie eine Isolierschicht.