Eine
von uns:
Marita Mosch
Quelle:
-Süd vom 11.11.2009, Gabriele
Beautemps
Schnattern vor Sankt Martin

Glück gehabt. Weder der Fuchs noch St. Martin konnten diesen Gänsen etwas
anhaben. Nur Bäuerin Marita Mosch weiß, was dem
Federvieh spätestens Heiligabend blüht.
Duisburg.
Noch palavern die Gänse in den Rheinwiesen. Doch ihre Tage sind gezählt. Bei
der Bäuerin Marita Mosch auf Haus Grind bestellen
Menschen aus ganz Duisburg und Umgebung ihre Martins- oder Weihnachtsgans.
Walter Marciniak bereitet sie zu.
Noch schnattern sie munter drauf los, recken Spaziergängern
in den Mündelheimer Rheinwiesen neugierig den Hals
entgegen oder versammeln sich unter der mächtigen Rotbuche vor Haus Grind - ein
beschauliches Gänseleben.
Gut, dass das Federvieh nicht ahnt, wie es enden wird. Seit Tagen reservieren
Gänsefreunde aus ganz Duisburg und Umgebung bei Marita Mosch,
der Bäuerin auf Haus Grind, ihre Martins- oder Weihnachtsgans. So wie Walter Marciniak: „Zu St. Martin gehört eine Gans, ganz
klar.” Und die bereitet der Inhaber eines Lederwarengeschäfts am
Sonnenwall selbst zu. „Gänsebraten ist bei uns Männersache”. Walter
Marciniak füllt die Gans mit Maronen und
Boskopäpfeln, das mögen auch die Kinder.
In diesem Jahr haben Marita und Reinhard Mosch 1000
Gänse gemästet. „Wir bekommen sie als Eintags-Küken Anfang Mai aus
Hamburg.” Die ersten vier Wochen verbringen die Küken im Stall, anfangs
unter Wärmelampen. Mit einem Monat geht’s zum ersten Mal raus auf die
Obstwiesen vorm Hof. „Da muss man aufpassen. Es darf nicht zu kalt und zu
nass sein, aber auch nicht zu sonnig.” Da die jungen Vögel erst im Alter
von sechs Wochen ein Federkleid tragen, können sie sich nämlich leicht einen
Sonnenbrand einfangen. Nachts kommen die Tiere wieder in den Stall, denn nicht
nur im Kinderlied stiehlt der Fuchs die Gans. Familie Mosch
hält seit zehn Jahren Gänse. „Anfangs hatten wir nur 20 Stück, dann 200,
jetzt 1000.”
Die ersten
drei Jahre hat Marita Mosch gar keine Gans
abgekommen. Sie musste sich mit dem Geschnatter begnügen. „Gänse sind
unglaublich kommunikativ. Die palavern den ganzen Tag”. Im August wird
die Rangordnung festgelegt. „Das sind quasi Ritterspiele. Erst werden die
Positionen erkämpft und anschließend lässt sich der Sieger feiern” -
natürlich unter lautem Geschnatter. Erst Heiligabend, wenn die letzte Gans in
die Bratröhre wandert, kehrt wieder Ruhe rund um Haus Grind ein.
„Einerseits
genieße ich dann die Stille, andererseits fehlt mir was”, sagt Marita Mosch.
Die Durchschnitts-Gans
wiegt rund fünf Kilo und kostet circa 50 Euro. Pro Kilo muss man eine Stunde
Garzeit bei 160 Grad rechnen. „Wenn Sie die Gans füllen, müssen Sie noch
eine Stunde draufschlagen”, sagt Frau Mosch.
Sie hat sich einiges Fachwissen in Sachen Gänsebraten angeeignet, das sie
bereitwillig an Neulinge auf diesem Gebiet weitergibt. Wenn die Gans zum
Beispiel zäh aus dem Ofen kommt - die größte Sorge aller Köche -, ist sie oft
nicht richtig durchgebraten. „Eine Gans ist erst gar, wenn sich das
Fleisch mit dem Messer abschieben lässt”. Aus dem Gänsefett läst sich leckerer
Gänseschmalz herstellen. „Einfach mit etwas Wasser im Topf kochen, bis
das Fett klar ist. Abgießen, Zwiebeln und Äpfel dazu und nochmal
erhitzen”. Das Bratfett friert Marita Mosch ein
und mischt es später unter Rotkohl oder Sauerkraut.
Während die
Köchin Appetit auf Gänsebraten weckt, klingelt immer wieder das Telefon. Das
Tambourcorps ordert Gänse für seine Verlosung, ein anderer Kunde will die
frechste Gans des Hofs. Und die Gänse draußen vor Tür ahnen immer noch nicht,
dass bald ihr letztes Stündlein schlägt.