Einer von uns:
Leo Schuhen

Quelle: WAZ-Süd vom 20.11.2008
http://include.derwesten.de/archiv/detail.php?query=1767&article=1&auftritt=WAZ




Gemeinde
will ihre Kirche retten

20.11.2008 / Lokales

 

Die Gemeinde Maria Himmelfahrt belebt sich selbst – rund 100 Menschen besuchen die monatlichen Gottesdienste. Fotos: Jürgen Metzendorf Von Claudia Pospieszny

Empört reagierten einige Besucher während des Martins-Gottesdienstes in der Hüttenheimer Gemeinde Maria Himmelfahrt, „einige haben aus lauter Verärgerung sogar die Kirche verlassen", sagt Leo Schuhen. Der Auslöser: Gemeindereferentin Christa Blokesch stellte während des Gottesdienstes ihre Pläne für eine „Erlebniskirche" in Hüttenheim vor. „Die Pläne finde ich gut", sagt Schuhen, aufgebracht habe ihn, dass sie in Maria Himmelfahrt verwirklichen werden sollen. „Es gibt genug andere leer stehende Kirchen. Diese hier hat für Hüttenheim eine ganz besondere Bedeutung. Architektonisch und in der Symbolik ist sie herausragend. Und wir als Gemeinde bemühen uns nach allen Kräften, wieder Leben in die Kirche zu bringen", sagt Schuhen. Konzerte arrangiere man „und einmal im Monat einen Gottesdienst, der von Mal zu Mal mehr Zulauf hat. Rund 100 Menschen waren allein am vergangenen Sonntag da. Wenn die Kirche Erlebniskirche wird, ist es damit vorbei." Seien Arbeit und Ideen, die die Menschen gerade investierten, um die Gemeinde wieder lebendig zu machen, umsonst.

Nun ist zu sagen, die letzte Messe an der Mündelheimer Straße ist offiziell gelesen, die unter Denkmalschutz stehende Kirche wird nicht länger aus Kirchensteuermitteln unterhalten. Zwischenzeitlich hat die Großgemeinde St. Judas Thaddäus, zu deren Liegenschaften Maria Himmelfahrt gehört, bei einem Architekturbüro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ziel ist es, Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen, mithilfe derer der Kirchenunterhalt sich erwirtschaften ließe.

Die Arbeit an der Studie steht noch am Anfang, „zurzeit wird das bauliche Datenmaterial zusammengetragen", erklärt die Verwaltungsleiterin in St. Judas Thaddäus, Ursula Savarino. In weiteren Schritten werde das Architekturbüro mit dem Pastoral-Team und Gruppen aus der Gemeinde nach Lösungen suchen.

Finanziert wird die rund 25 000 Euro teure Studie zu je zehn Prozent von der Gemeinde St. Judas Thaddäus und der Stadt Duisburg, aus deren Verwaltung „uns eine mündliche Zusage zur Kostenübernahme vorliegt", wie Ursula Savarino erklärt. Weitere 80 Prozent der Kosten trägt das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW. „Da Kirchen aus städtebaulicher Sicht prägende Gebäude sind, gibt es ein Interesse daran, dieses Gepräge nicht zu zerstören", sagt Simone Wichmann, Pressereferentin des Ministeriums. Gefördert würden allerdings nur die Studien, keine baulichen Veränderungen an Kirchen. Zudem seien die Förderungen beschränkt auf eine Maximalzahl von Kirchen, auf „Prototypen", die als Orientierungshilfe für weitere Gebäude im Land NRW dienen sollen.

Einfließen in diese Beratungen können die parallel entwickelten Überlegungen für eine Erlebniskirche oder eben auch die der Gemeinde, die ihre Kirche retten will. Kooperationsgespräche wolle man führen, nach Lösungen suchen, die Geld für den Erhalt in die Kasse bringen und das Gemeindeleben auch weiterhin ermöglichen, erklärt Horst Ambaum, Mitarbeiter der Gemeindecaritas Duisburg-Süd, der sich weiterhin monatliche Gottesdienste in Maria Himelfahrt wünscht.

Doch dieser Wunsch steht auf wackeligen Füßen, wie Lothar Ulrich, Pressesprecher im Bistum Essen, erklärt: „Ich befürchte, dass bei allen Schmerzen, die die Schließung von Kirchen mit sich bringt, noch nicht verstanden ist, was uns dazu getrieben hat. Es geht nicht nur um die wenigen Mittel oder die geringeren Zahlen der Gläubigen, sondern wir haben schlicht nicht mehr die Priester zur Verfügung." Spätestens in ein paar Jahren, so auch Ambaum, „wird es problematisch, für die jetzt reduzierten Gemeinden ausreichend Priester zu finden."

Somit: Es gibt viel Bewegung in der Gemeinde Maria Himmelfahrt – und viel Unsicherheit. Gerade deshalb sei man ja derart empört, erklärt Leo Schuhen. „Man kann über Vieles diskutieren, aber man sollte es nicht in einer Kirche ,verkünden', wo Menschen, die das verletzt, aus Respekt nicht dazwischen rufen, um einzuschreiten." Ganz wie Leo Schuhen: „Ich habe gemerkt, wie ich langsam immer wütender werde, eigentlich hätte ich laut rufen müssen: Stopp!" Leo Schuhen war 40 Jahre Kantor in Maria Himmelfahrt.