Einer von uns:
Der St. Martin aus Rheinheim

Quelle: RP-Online vom 7.11.2008
http://www.rp-online.de/public/article/duisburg/635401/Der-St-Martin-aus-Rheinheim.html
VON STEFAN OSSENBERG

Duisburg (RP) Seit 25 Jahren reitet Heinz Höffgen als Sankt Martin an der Spitze des Martinzuges der Grundschule im Reimel. Einmal im Jahr erfreut er so Mündelheimer Kinderherzen.

Heute ist es wieder soweit. Wie in jedem der vergangenen 25 Jahre wird sich Heinz Höffges auf den Weg zum Hof der Mündelheimer Familie Mosch machen und dort den 107 Jahre alten Martinsmantel eines ehemaligen Kirchenschweizer der Mündelheimer Kirche sowie Bart und Bischofsmütze anlegen. Wenn dann sein Handy klingelt und die Feuerwehr am anderen Ende der Leitung ist, macht sich Höffges auf dem Rücken seines Pferdes Karlchen auf, den St. Martinszug der Grundschule im Reimel durch Mündelheim anzuführen.
 

        
Foto: Andreas Probst

107 Jahre alter Martinsmantel
Der Nebenerwerbslandwirt kann sich noch gut an die Anfänge seines Engagements als Mantelteiler des Stadtteils erinnern: „Als damals die Reiterstaffel der Polizei aufgelöst wurde, hat mich das Martinskomitee Mündelheim angesprochen, ob ich die Aufgabe nicht übernehmen möchte. Damals habe ich spontan zugesagt und bis heute habe ich auch durchgehalten“, berichtet der Rheinheimer. Sein ehrenamtliches Engagement ist für ihn selbstverständlich: „Ich mache das für die Kinder. Das macht einfach Spaß, zu sehen, wie die Kleinen daran Freude haben. So lange ich aufs Pferd komme, so lang werde ich auch den Sankt Martin spielen“, ist sich der 60-Jährige sicher. Das erste Mal stieg Höffgen mit fünf Jahren auf dem Gelände des Familienhofes in Rheinheim, den er heute in der vierten Generation bewirtschaftet, auf den Rücken eines Pferdes. „Das war noch, bevor wir den ersten Traktor hatten. Das richtige Reiten habe ich dann aber erst mit 18 Jahren beim Reitverein auf dem Biegerhof gelernt“, erinnert er sich. Seitdem hat er immer mit Pferden zu tun gehabt. So fiel es ihm leicht, das richtige Reittier für die anspruchsvolle Aufgabe des Martinpferds auszuwählen.


PR-Archivfoto: Ralf Hohl

„Nicht jedes Pferd ist für den Martinszug geeignet“, sagt Höffgen. Feuer, Kindergesang und schwenkende Laternen erfordern ein ruhiges und geduldiges Tier, berichtet er aus Erfahrung. Sein Kaltblüter Karlchen erledigt diese Aufgabe seit fünf Jahren.
Zehnmal wird Höffgen mit seinem Pferd heute Abend das Feuer umrunden, bis er eine rote Decke mit Engelbert Dornbach, der seit 25 Jahren den Bettler spielt, teilen wird. „Wenn er böse ist, dann mach’ ich ein paar Runden mehr“, sagt Höffgen schmunzelnd. Nach der Teilung geht es dann in die Klassenräume der Schule zur Verteilung der Martinstüten: „Wenn ich den Kindern die Hand gebe und in ihre Augen blicke, dann ist es schon ein bisschen, als ob ich wirklich heilig wäre.“