Einer von uns
Dietmar Eliaß
Quelle:
vom 13.11.2009
„Den Bürgern verpflichtet“
Mehr Offenheit
gegenüber den Bürgern hat sich Bezirksbürgermeister Dietmar Eliaß
(SPD) vorgenommen. Ein Interview:

Dietmar Eliaß
(60) ist nicht nur der dienstälteste Bezirksvertreter im Süden,
sondern seit letzter Woche auch Vorsitzender
des Gremiums. Mit ihm sprach Martin Kleinwächter.
Sie haben zweimal vergeblich Anlauf genommen. Diesmal hat es geklappt. Was ist an so einem Amt überhaupt
erstrebenswert?
Eliaß: Die 600 Euro Aufwandsentschädigung
brutto im Monat jedenfalls nicht. Man muss vielmehr Idealismus haben. Und es gibt positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Sie spornen dazu an, eine Aufgabe zu übernehmen,
bei der man vielleicht noch mehr für Bürger
und Bezirk erreichen kann.
Wie sind Sie überhaupt
zur SPD gekommen?
Ich komme aus einem sozialdemokratischen Elternhaus. Die Abwahl von
Helmut Schmidt 1982 hat mich zum
Parteieintritt bewogen. Er ist für mich ein Staatsmann ersten Ranges.
Man kann das Amt des Bezirksbürgermeisters „typisch deutsch" führen,
nämlich in Gehorsam gegenüber
der Verwaltung, oder selbstbewusst als Speerspitze der Bürger gegenüber der
Verwaltung. Wofür haben Sie sich
entschieden?
Ich will nicht mit brachialer Gewalt
gegenüber der Verwaltung auftreten.
Aber ich fühle mich in erster Linie
den Bürgern verpflichtet. Ich werde
nicht Erfüllungsgehilfe der
Verwaltung sein, strebe aber eine loyale und kooperative Zusammenarbeit
an.
Nun hat
die alte CDU-geführte Mehrheit etliche
„Baustellen" hinterlassen. Fangen wir mal beim Konjunkturpaket II an.
Es sind etwa dreimal soviele Projekte beschlossen worden, wie
»Ausreichend
mitarbeiten können,
das war mit der CDU
nicht möglich«
finanziert werden können. Wie machen Sie das den Bürgern klar?
Wir
haben daran nicht ausreichend mitarbeiten können,
denn wir hätten über die
Prioritätensetzung gerne ausführlich diskutiert. Das war mit der CDU
nicht möglich. Wir wussten, dass nicht alle Projekte realisierbar sein würden. Deshalb sollte es ja eine offene
Diskussion geben. Bis heute wissen
wir offiziell nicht, welche Maßnahmen entfallen sind und welche durchgeführt werden. Wir fordern noch immer eine offene Information
und Diskussion.
Können
Sie damit leben, dass Projekte wie der Bahnhofsvorplatz Großenbaum beschlossen
sind, ohne dass der
Ausbauplan das ja der Bezirksvertretung fand?
Es ist schmerzlich, dass
wir daran nicht beteiligt waren.
Denn wir hätten es ja konstruktiv begleitet. Aber der Bahnhofsvorplatz ist nur ein Projekt unter
vielen, wo unsere Beteiligung
ausgeblieben ist. Darüber wird noch
zu reden sein.
Haben wir da nicht wieder den gleichen Fall wie bei der CO-Pipeline? Der städtische DVV-Konzern (DVG) bestimmt, ein
Kreisverkehr muss her. Bei der Pipeline waren es die Stadtwerke mit ihrem
Trassenwunsch durch Wohngebiet.
Ich kann nur sagen, dass die neue Mehrheit für häufigere Sitzungen sorgen wird, also
für mehr Zeit für Diskussion, und dass sie
die Sachkunde der Bevölkerung nutzen wird.
Gibt es
für Bezirksbürgermeister Eliaß auch politische
Tabu-Themen? Haben die Malteser zum Beispiel grundsätzlich freie
Hand bei ihren Projekten?
Keiner hat freie Hand bei seinen
Projekten. Es ist im‑
»Wir
haben vereinbart,
dass wir das
Miteinander
fördern wollen«
mer eine
Sache der Abwägung, wobei gemeinnützige Einrichtungen
natürlich unser besonderes Wohlwollen finden.
Und
wer Kritik am Untersich-bleiben-wollen
der Türken äußert, der ist gleich „braun"
angehaucht?
Nein. Zuwanderung und Integration sind keine
Einbahnstraße. Wir haben vereinbart, dass wir das Miteinander aller
Bevölkerungsgruppen fördern wollen durch
gemeinsame Projekte in den Stadtteilen.

ZUR PERSON
Traumberuf Feuerwehrmann
Dietmar Eliaß wurde
1949 in Moers geboren. Nach der Volksschule absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung. Berufsziel war aber immer Feuerwehrmann. Das war er von 1969 bis
2006 bei Thyssen. Seitdem ist er als Sachverständiger für Brandschutz mit einem eigenen Büro tätig. Eliaß ist seit 1976 mit Ehefrau Petra verheiratet. Seine drei Kinder sind heute 33, 27 und 21 Jahre alt. Es gibt bereits vier Enkelkinder. In die SPD trat
er 1984 ein.