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Wolfgang Siepmann - Lastwagen sind nicht ausgelastet
Quelle: WAZ Süd vom 29.01.2009

Lastwagen sind nicht ausgelastet
29.01.2009 / Lokalausgabe

Geschäftsführer Wolfgang Siepmann (r.) erklärt Fahrer Ralf Thomasen die Tour. Noch musste der Unternehmer keine Mitarbeiter entlassen. Foto: Jürgen Metzendorf Von Anne Wiegel

Anfangs nur ein Wort mit bitterem Beigeschmack, wird sie derzeit allerorten sichtbar: Die Konjunkturkrise hat die deutsche Wirtschaft erreicht. Es wird kürzer gearbeitet, weniger produziert und damit auch weniger transportiert – eine Kettenreaktion, die viele Speditionsunternehmen derzeit schmerzlich zu spüren bekommen. Dennoch: Die Spediteure im Duisburger Süden bleiben optimistisch ...

„Ich denke, dass die Krise bis Sommer anhalten wird, aber dann kommt die große Wende", vermutet Olaf Fügemann, Prokurist der A. Siepmann GmbH. Das Mündelheimer Familienunternehmen ist auf Chemie- und Flüssigkeits-transporte spezialisiert und zählt Konzerne wie Bayer und Brenntag zum Kundenkreis. Konnte im vergangenen Jahr noch ein Umsatz von 9,5 Mio. Euro generiert werden, ist die Auftragslage derzeit rückläufig, wie Fügemann einräumt: „Viele Chemiewerke haben bereits Kurzarbeit eingeführt, weshalb bei uns etwa 15 Prozent weniger Aufträge eingehen. Unsere Kapazitäten sind daher nicht ausgelastet."

Auch die Fixtrans-Spedition in Großenbaum, ein kleines Unternehmen, das auf Schnelltransport-Service spezialisiert ist, hat mit der aktuellen Wirtschaftslage zu kämpfen: „Wir sind Hausspediteur bei HKM. Weil der Stahlkonzern derzeit Kurzarbeit fährt, haben wir seit etwa 14 Tagen deutlich weniger zu tun", erklärt Geschäftsführer Hans-Werner Bruns. „Leider läuft es bei anderen Firmen auch nicht besser, weshalb unsere Auftragslage um etwa 70 Prozent eingebrochen ist." So bleiben vorhandene Kapazitäten ungenutzt: „Wir haben acht Fahrzeuge und vier Mitarbeiter, sind gestern aber gerade mal einen Auftrag gefahren."

Entlassungen stehen bei Fixtrans derzeit noch nicht an: „Wir versuchen, die freie Zeit sinnvoll zu nutzen, indem wir etwa unsere Fahrzeuge instandsetzen", sagt Bruns. „Allerdings ist fraglich, wie lange wir diese Krise aushalten können."

Die Siepmann GmbH hingegen ist bemüht, durch Kostensenkung gegenzusteuern: „Wir haben unseren Fuhrpark von 60 auf 55 Fahrzeuge reduziert und einen Einstellungsstopp verhängt", erläutert Prokurist Fügemann. „Für uns kam die Krise relativ plötzlich. Eigentlich hatten wir Investitionen geplant, die wir nun natürlich erst einmal zurückgestellt haben."

Hans-Werner Bruns von Fixtrans ist froh, dass er in letzter Zeit wenig investiert hat und nicht in Zahlungsverzug gerät: „Wegen der verschärften Umweltgesetzgebung wollte ich eigentlich neue Fahrzeuge kaufen, jetzt warte ich erst mal ab." Auch ihn traf die Konjunkturkrise unerwartet: „Bis Ende 2008 hatten wir einen regelrechten Stahlboom. Als die Nachfrage plötzlich nicht mehr da war, haben wir die Auswirkungen schnell gespürt."

Hinzu kommt ein schärferer Wettbewerb: „Die Nachfrage ist klein, das Angebot groß – da kommt es zwangsläufig zu mehr Wettbewerb", erklärt Fügemann. „Die Maut-Erhöhung hätte daher verschoben werden müssen, denn dieses Geld bekommen wir derzeit von unseren Kunden nur zum Teil."

Spediteur Bruns versucht, den erschwerten Bedingungen möglichst gelassen entgegenzutreten: „Wer die derzeitigen Preise noch unterbieten will, hat auf Dauer keine Chance." Er ist bemüht, der Krise auch etwas Positives abzugewinnen: „Die derzeitige Wirtschaftslage bietet die Möglichkeit, reinen Tisch zu machen. Unternehmen, die nicht stark genug sind, werden zwangsläufig vom Markt verschwinden. Wer weiß, vielleicht geht unser Betrieb gestärkt aus der Krise hervor ..."