Atomkraftgegner machen mobil 

Quelle:   Süd vom 19.01.2010, Florian Müller

 

Bei der Firma GNS soll verstärkt Atommüll behandelt werden. Das bringt die Bürger im Duisburger Süden auf die Straße. Eine Demonstration gegen die Pläne soll es am 23. Januar im Rahmen eines Autokorsos von Ahaus nach Jülich geben.

 

Neben der Diskussion um die Kohlenmonoxid-Leitung wird es demnächst im Duisburger Süden ein weiteres Reizthema geben, das die Bürger auf die Straße bringt. Dabei geht es um die GNS, Gesellschaft für Nuklear-Service, an der Richard-Seiffert-Straße 45. Die Anlage wird demnächst verstärkt zum Umschlagplatz für das Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus.

Gleich sechs Bürgerinitiativen und Aktionsbündnisse rufen deshalb am kommenden Samstag, 23. Januar, zu einer Demonstration an der benachbarten Friemersheimer Straße auf, die auch von den Duisburger Grünen unterstützt wird. Die Demonstration ist Bestandteil eines großen Autokorsos, der von Ahaus über die GNS in Wanheim zum Kernforschungszentrum Jülich führt, von wo nach Informationen der Anti-Atomkraft-Initiative demnächst Atommülltransporte nach Ahaus geschickt werden sollen.

Felix Ruwe, Sprecher der BI „Kein Atommüll” in Ahaus auf Anfrage der Redaktion: „Da werden demnächst 152 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll - ebenfalls über Duisburg - nach Ahaus transportiert. Wir haben dazu eine klare Meinung: Der Atommüll soll dort bleiben, wo er entstanden ist.” Mitglieder dieser Bürgerinitiative äußern sich nach einer Besichtigung des Standortes Wanheim „erschrocken über die vielen Gefahrenpunkte, welche die Atommülltransporte von und zur Atomanlage dort passieren müssen“.

 

Die Bahnübergänge Heiligenbaumstraße und Atroper Straße stellen ein großes Gefährdungspotenzial dar, so die Meinung der Atomkraftgegner. „Die Strecke führt mitten durch das Wohngebiet, neben dem Bahnübergang Heiligenbaumstraße befindet sich eine Straßenbahnhaltestelle, auf der anderen Seite der Eingang zu einem Supermarkt - viele Menschen kommen also in direkten Kontakt mit den Atommüllzügen,” kritisierte Willi Hesters vom „Aktionsbündnis Münsterland” gegen Atomanlagen die kommenden Transporte.

 

Verlegt wurde mittlerweile die direkte Straßenzufahrt auf das Gelände der GNS in eine Industriebrache an der Richard-Seiffert-Straße, aber dennoch seien dicht besiedelte Wohngebiete betroffen. „Es ist für uns unverständlich, wie eine Atomanlage in so einem dicht bebauten Gebiet angesiedelt werden konnte, zumal der in Duisburg konditionierte Atommüll ja in der gesamten Republik und nicht vor Ort anfällt”, so Hesters weiter.

Rund eine Stunde soll im Rahmen des Autokorsos am kommenden Samstag die geplante Demonstration in Wanheim dauern. „Wir wollen die Menschen darauf hinweisen, dass Atommüllverschiebung keine Entsorgung ist. Wir freuen uns, dass wir in Duisburg für unser Anliegen inzwischen von verschiedenen Seiten Unterstützung bekommen. So fordern die Grünen in Duisburg die Schließung der GNS-Konditionierungsanlage und auch aus den Reihen des Klimabündnisses Niederrhein wurde Unterstützung für unsere Demonstration zugesagt”, freut sich Sprecher Felix Ruwe über das Engagement der Atomkraftgegner vor Ort in Duisburg.

 

Antwort auf Anfrage

Eine Antwort hat die Landesregierung nun auf die Anfrage des Landtagsabgeordneten Reiner Priggen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Konditionierungsanlage der Wanheimer Firma GNS gegeben. Wie berichtet, werden in der Anlage radioaktive Abfälle auf die Einlagerung vorbereitet. Die Landesregierung hat als atomrechtliche Genehmigungsbehörde der GNS mit einem Änderungsbescheid vom 3.7.2007 die Genehmigung nach § 7 Abs. 1 Strahlenschutzverordnung erteilt, in Wanheim radioaktive Stoffe zu behandeln, wobei es sich um radioaktive Reststoffe und Abfälle handelt.

Die Anlage liegt, so der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, mehr als 200 Meter Luftlinie von der Wohnbebauung entfernt und wird mit radioaktiven Reststoffen und Abfällen aus deutschen Kernkraftwerken, kerntechnischen Anlagen und Landessammelstellen beliefert. Je nach Auftragslage, so das Ministerium, werden hier pro Jahr 150 bis 300 Tonnen konditioniert, also behandelt. Für radioaktive Reststoffe und Abfälle betrage die gesamte Umgangsmenge 600 Tonnen, in denen schon die vorübergehende Lagerung berücksichtigt ist. Rainer Priggen wollte abschließend wissen: „Werden auch die radioaktiven Abfälle, die für die Einlagerung am Zwischenlager Ahaus bestimmt sind, bis zum Weitertransport auf dem Werksgelände in Duisburg gelagert?” Dazu das Ministerium: „Ja. Es erfolgt eine Transportbereitstellungslagerung.“