Thoben:
Viele Kraftwerke gefährdet
Quelle:
/ Wirtschaft vom 08.10.2009
Wirtschaftsministerin hält 18 Standorte in NRW für anfechtbar.
Umweltschützer sehen aber hohe Hürden für Klagen
Theo Schumacher
Düsseldorf. Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) erteilte dem Landtag gestern juristischen Nachhilfeunterricht. „Was nicht beklagt wurde, ist
noch lange nicht rechtssicher", befand sie in der hitzigen Debatte um die Zukunft des teilweise
gestoppten Kohlekraftwerk-
Neubaus in Datteln.
Anlass ihrer
Erkenntnis: Nach dem drohenden Aus für das Milliardenprojekt des Energieversorgers
EON muss die Landesregierung fürchten, dass bis zu 18 weitere Kraftwerks-Standorte
vor Gericht gekippt werden könnten. Sie macht sich deshalb in aller Eile daran,
den Landesentwicklungsplan (LEP) neu zu regeln.
Laut Thoben sind elf
der gefährdeten Projekte bereits am Netz, darunter das Braunkohle-Kraftwerk Niederaussem,
aber auch Gaskraftwerke wie in Hürth oder Herdecke. Sieben weitere
Projekte befinden sich im Bau, etwa das SteagKraftwerk Walsum, oder in der Planung wie der fünfte Block des Steag-Kraftwerks
Herne. Legt man das Datteln-Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zugrunde, räumte Thoben ein,
„so besteht an diesen Standorten überall Klagerecht." Ihr
Haus spricht von „rechtlichen Mängeln, die man heilen muss".
Zwar stünden die seit
1995 in Betrieb genommenen Kraftwerke auf genehmigten Standorten, sie seien aber nicht durch den LEP abgesichert. Der Bund für
Umwelt- und Naturschutz (BUND), der den Stopp des Projekts in Datteln erwirkt
hatte, sieht darin einen Hebel, um auch andere Kraftwerke zu blockieren. Thoben, die den Entwurf für einen neuen LEP erarbeiten lässt, will nun die
Regelungen für den Energiebereich vorziehen,
um so weiteren Klagen einen Riegel
vorzuschieben.
Ob der Schnellschuss erfolgreich sein
wird, darüber sind die Meinungen geteilt. Kein Gericht würde über eine Klage gegen einen Kraftwerks-Standort entscheiden, solange das ministerielle LEP-Verfahren nicht abgeschlossen ist, gibt man sich in Düsseldorf überzeugt. Ganz anders sehen das die
Naturschützer. Wenn etwa in Datteln die
Gesetzeslage „nachträglich den
Wünschen von Eon
angepasst wird", sagte Thomas Krämerkämper (BUND) dieser Zeitung, würde das gesamte Genehmigungsverfahren
„ad absurdum geführt".
Für den BUND steht fest, dass das Land
„reihenweise Gesetzesverstöße"
begangen hat. Gegen einige der von Thoben
genannten Projekte wie das Trianel-Kraftwerk in Lünen wird bereits geklagt. Dennoch
sieht Krämerkämper vor weiteren Klagen hohe Hürden.