Dicke Luft im Krefelder Hafen
Quelle:
vom 03.09.2009
Umwelt
Kohlekraftwerk trotz hoher
Feinstaub-Belastung geplant
Duisburg West, 03.09.2009, Matthias Oelkrug

Krefeld. Dicke Luft im
Krefelder Hafen. Der genehmigte Grenzwert der Feinstaub-Belastung wurde in
diesem Jahr bereits überschritten. Trotzdem sieht das Unternehmen Trianel kein Hindernis für das geplante Kraftwerk: Der
Kohleumschlag soll weiter stromabwärts entstehen.
Der
Krefelder Rheinhafen hat ein Feinstaub-Problem: An 36 Tagen - und damit das
eine entscheidende Mal öfter als zulässig - wurde in diesem Jahr am Uerdinger
Logistik-Standort der genehmigte Grenzwert der Feinstaub-Belastung
überschritten, teilte das Landesumweltamt Anfang der Woche mit. Pikant: Mit dem
Zementwerk und dem Trianel-Kohlekraftwerk im Chempark stehen in Uerdingen gleich zwei Industrieprojekte
in der Warteschleife, die laut ihren Kritikern die Feinstaub-Belastung noch
einmal deutlich vergrößern werden.
Den Schuh
mag sich der potentielle Kraftwerksbetreiber, der Aachener Stadtwerke-Verbund
Trianel, freilich nicht anziehen: Zum Einen sei die
Anlieferung und Lagerung der Kohle zwar sehr wohl in Uerdingen, aber nicht im
eigentlichen Hafengelände vorgesehen: Der von Trianel
und der Krefelder Hafengesellschaft eigens dafür geplante neue Anleger soll gut
zwei Kilometer nördlich, etwa auf Höhe des Bayer-Casinos, entstehen.
Bürgerinitiative spricht von neuem „Stolperstein”
Laut
Unternehmenssprecher Elmar Thyen ist die
Feinstaubbelastung durch den Kohleumschlag ohnehin örtlich eingegrenzt und
vergleichsweise niedrig: „Bis die Kohle in Krefeld angelandet wird, wurde
sie schon mehrfach umgeladen und hat kaum noch Staub, der freigesetzt werden
könnte.”
Das
Kraftwerks-Projekt, so Thyen, sei also durch die
Feinstaub-Problematik im südlichen Hafen nicht berührt. Norbert Bömer von der Rheinhausener Bürgerinitiative „Saubere
Luft” sieht sich in den Nachrichten dagegen sehr wohl bestätigt:
„Natürlich ist die Kohleverladung eine weitere Feinstaub-Quelle, da wird Trianel Akzeptanzprobleme bekommen. Und wir freuen uns
natürlich über jeden Stolperstein für die Pläne.”
Der für das
Kraftwerk geplante „Nordanleger” ist nicht die einzige
Hafen-Erweiterung: Der Hafen wird seit 2007 von der „Hafen Krefeld GmbH
& Co. KG”, dem Nachfolger der städtischen Hafen- und Bahnbetriebe Krefeld , betrieben. Seit 2008 besteht außerdem eine in
Partnerschaft mit der Nachbargesellschaft „Neuss-Düsseldorfer
Häfen”. Laut Betreiber hat er ein Gesamtvolumen von über vier Millionen
Tonnen und ist damit der viertgrößte öffentliche Binnenhafen in
Nordrhein-Westfalen. Der Hafen verfügt über eine Krananlage mit 200 Tonnen
Hebeleistung sowie verstärkte Kaianlagen, die einen Mobilkranumschlag von 450
Tonnen ermöglichen. Die neueste Erweiterung ist das
2008 reaktivierte und erweiterte Containerterminal, mit dem in Zukunft Umsätze
von 50 000 Containerbewegungen möglich sein sollen.
Zementwerk liegt bei der Bezirksregierung
Im Gegensatz zum
Kohlekraftwerk liegt das geplante Zementwerk (wir berichteten) sehr wohl in
Hafennähe. Umweltschützer, darunter auch Bömer, gehen
von einer beträchtlichen Umweltbelastung aus, da in einem solchen Werk
„letztendlich erhebliche Mengen an Abfällen verarbeitet werden.”
Allerdings ist dessen Genehmigung ohnehin in der Schwebe: Der Krefelder
Stadtrat hat dem Projekt das „städtebauliche Einvernehmen”
verwehrt, sprich: den Bauantrag abgelehnt. Nun ist die Bezirksregierung am Zug.