Geschlossenheit mit kleiner Lücke   
Quelle: Duisburg West, 20.05.2009, Ingo Blazejewski
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/duisburg/west/2009/5/20/news-120422238/detail.html

Die SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft untermauert bei ihrer Stippvisite im Chempark die Notwendigkeit der umstrittenen Bayer-Projekte. Der Rheinhauser SPD-Ortsverband sieht das bekanntlich anders.

Die Betriebsräte der Chempark-Firmen hatten geladen, und die SPD rückte mit reichlich Politprominenz an. Die Landesvorsitzende Hannelore Kraft stand gestern mit den Bundestagsabgeordneten Bernd Scheelen und Siegmund Ehrmann beim Uerdinger Werk auf der Matte. Einer der üblichen Wahlkampftermine könnte man meinen, doch eigentlich gibt es auf beiden Seiten wenig zu werben. Die SPD hat sich zu den umstrittenen Projekten Kohlekraftwerk und CO-Pipeline früh positioniert. Beides seien wichtige industriepolitische Projekte in NRW, sagte Kraft. „Wenn wir führendes Industrieland bleiben wollen, kommen wir daran nicht vorbei. Ohne Kohlekraftwerke kommen wir die nächsten Jahrzehnte nicht aus und werden unseren Stand nicht halten können”. Ein Gaskraftwerk scheide aufgrund der Abhängigkeit und der Reserven aus.

„Der Weg ist frei für den Bau des derzeit modernsten Kohlekraftwerkes in Krefeld”, so Kraft. „Die SPD steht geschlossen hinter dem Projekt.”

Die Geschlossenheit stößt in Rheinhausen bekanntlich an ihre Grenzen. „Da hat sie unseren Bezirksverband wohl nicht berücksichtigt”, sagte Reiner Friedrich zu den Worten der Landesvorsitzenden. Das Werk müsse eine vernünftige Energieversorung haben, aber es gebe andere Technologien, und die in Uerdingen geplante sei eben „die falsche”.

Dass sie nicht jeden Ortsverband einfangen wird, weiß auch Kraft. „Ich habe für unsere Politik das ganze Land im Blick.” Für die Sorgen und Kritik von Anwohnern, die die Klimaschutz-Predigt vernehmen, aber vor ihrer Haustür durch den Kraftwerksbau eine Mehrbelastung von Millionen Tonnen CO2 befürchten, hat sie kein Verständnis? „Das ist doch Unsinn. Wer sagt, dass die CO2-Emissionen steigen, hat das System nicht verstanden”, kontert Kraft. Die Emissionen seien gedeckelt, für moderne Kohlekraftwerke würden „alte Schätzchen” mit weitaus mehr CO2-Ausstoß an anderer Stelle abgeschaltet.

An dieser anderen Stelle darf man sich wohl freuen, in Rheinhausen ärgern sich die Kraftwerkskritiker weiter. Demnächst mit einem geplanten Massenprotest am 6. Juni in Uerdingen.