BUND
nimmt Kohlekraftwerk in Uerdingen ins Visier
Quelle: Der Westen vom 25.04.2010, Ingo Blazejewski
Rheinhausen/Düsseldorf/Uerdingen.
Das Aus für das Kohlekraftwerk in Düsseldorf beflügelt die Kritiker der Anlage
in Uerdingen. Der BUND fordert nun ein Landesklimaschutzgesetz mit Zielvorgaben
und Festlegungen zum Ausschluss neuer Kohlekraftwerke. Eine Klage ist bereits
angekündigt.
Kurz nachdem der erste Jubel in der Düsseldorfer BUND-Zentrale verstummt war, hatten die Umweltschützer schon die nächste Baustelle im Blick. „Mit Sorge“ betrachte der Bund für Umwelt und Naturschutz, „dass wenige Kilometer rheinabwärts in Krefeld das Genehmigungsverfahren für ein neues Kohlekraftwerk vorbereitet wird“, sagte NRW-Geschäftsführer Dirk Jansen. Und forderte daher gleich ein Landesklimaschutzgesetz mit Zielvorgaben und Festlegungen zum Ausschluss neuer Kohlekraftwerke.
Einen „Quantensprung in die
richtige Richtung“ und ein „wichtiges landespolitisches Signal“ nannte Jansen
den Beschluss des Aufsichtsrates der Stadtwerke Düsseldorf, die Pläne für ein
400 Megawatt-Kraftwerk zu begraben und stattdessen ein Gas- und
Dampfturbinenkraftwerk zu bauen.
Bömer: „Ein
Ansporn, weiter zu kämpfen“
Genau das beflügelt die
Kritiker der geplanten Anlage in Uerdingen. „Das ist auch für uns ein Ansporn,
weiter gegen das Steinkohlekraftwerk im Chempark zu
kämpfen“, sagte Norbert Bömer, Vorsitzender der
Rheinhauser „Bürgerinitiative Saubere Luft“.
Der Fall Düsseldorf zeigt zwar
erneut, dass sich Widerstand lohnt. Es gibt Parallelen zu Uerdingen, es gibt
aber auch Unterschiede. Auch Trianel ist ein
Zusammenschluss von kommunalen Stadtwerken, die den Druck aus den eigenen
Städten spüren. In Krefeld allerdings hat der Stadtrat für die Anlage votiert,
in Düsseldorf gab es bereits vor einem Jahr einen einstimmigen Beschluss gegen
den geplanten Kohleblock. Wie in Düsseldorf haben auch die Kritiker in
Uerdingen im Vorfeld eine Klage angekündigt. Wovon sich Trianel
aber nicht abschrecken lässt. „Bei solchen Projekten ist praktisch von vornherein
klar, dass am Ende jeder Planung eine Klage steht“, sagte ein Trianel-Sprecher. Wie in Lünen,
wo Trianel bereits mehr als 600 Millionen Euro
verbaut hat, geht das Unternehmen auch in Uerdingen von einer Überzeichnung der
Gesamterzeugung von 750 Megawatt aus.
Wer nimmt die 750 Megawatt ab?
Doch die Vorzeichen dafür sind
eher negativ. Die Tessiner Elektrizitätsgesellschaft, die sich auch in Lünen beteiligt, hat dem Uerdinger Projekt den Rücken
gekehrt. Die Stadtwerke Dachau erwartet in der Heimatstadt womöglich sogar ein
Bürgerentscheid gegen eine Beteiligung. Und selbst die heimischen Stadtwerke
Krefeld haben ihre Abnahme auf gerade einmal 30 Megawatt gedrosselt, nachdem
anfangs noch von 100 MW die Rede war. In Stein gemeißelt scheinen derzeit nur die
120 MW Strom und 80 MW Dampf zu sein, die Currenta
für die Versorgung des Chemparks braucht.
Ungeachtet dessen geht der
Genehmigungsprozess weiter. Trianel rechnet mit der
Offenlegung vor der Sommerpause.
Aber auch die Kritiker lassen
nicht locker. Am 28. April wollen sie ein weiteres sichtbares Zeichen setzen,
diesmal in der Duisburger City. Vor dem Forum baut die Klima-Allianz eine drei
Meter hohe, hölzerne Nachbildung des NRW-Wappenpferdes auf, das die
Klimaschützer symbolisch aus ihrem „CO2-Joch“ befreien wollen.