Kohlekraftwerk
Düsseldorf vom Tisch, Stadtwerke planen Gasblock
Quelle:
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23.04.2010, René Schleucher
http://wz-newsline.de/sro.php?redid=814485
Antrag für
das Kohlekraftwerk wird endgültig zurückgezogen. Kosten für den nun geplanten
Neubau: 350 Millionen Euro.

Düsseldorf. Die
Kehrtwende in der Düsseldorfer Energiepolitik ist perfekt. Der Aufsichtsrat der
Stadtwerke hat am Freitag einstimmig beschlossen, die Pläne für einen neuen
Kohleblock im Kraftwerk Lausward endgültig zu
begraben.
„Wir werden den
Genehmigungsantrag bei der Bezirksregierung zurückziehen“, sagte Vorstand
Rainer Pennekamp. Das ist zwar keine allzu große Überraschung – schon vor einem
Jahr sagten die vier großen Fraktionen im Rathaus Nein zu den Plänen, das
Projekt ist seitdem klinisch tot –, aber nun ist die Entscheidung unumkehrbar.
Und gleichzeitig wird auch klar, wohin die Reise stattdessen gehen soll.
Alternativen sind nicht in
Sicht, Entscheidung fällt in einem Jahr
Nachdem lange Zeit auch eine
Sanierung des in die Jahre gekommenen Gas-Blocks E als Option galt, planen die
Stadtwerke nun einen Neubau als Ersatz. Dieser neue Block C soll bis zu 420
Megawatt Strom und 250 Megawatt Fernwärme erzeugen.
Experten schätzen das
Investitionsvolumen auf rund 350Millionen Euro. Ergänzt werden soll das Konzept
„durch mittelfristige Investitionen in erneuerbare Energien im dreistelligen
Millionenbereich“. Wie berichtet, werden die Stadtwerke in Kürze eine neue
Tochter gründen, die sich etwa an einem Windpark in der Ostsee beteiligen soll.
Die Entscheidung, ob der neue
Gasblock gebaut wird, soll in einem Jahr fallen. Bis dahin wird geplant und
gerechnet. Sprecher Juan Cava Marin
erklärt: „Die Chancen auf Realisierung stehen gut, weil die wirtschaftlichen
Parameter besser geworden sind.“ Gemeint sind u.a.
die Brennstoff- und Baukosten, die tendenziell günstiger sind als vor ein oder
zwei Jahren.
Dazu kommt: Der Neubau ist
eigentlich alternativlos. Denn ohne Block E liegt die Eigenerzeugung der
Stadtwerke nur noch bei 100 Megawatt. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch
930 Megawatt. Nach der Stilllegung von drei Blöcken bleiben aktuell 520
Megawatt.
Noch weniger wäre ein
wirtschaftliches Vabanquespiel: Die Stadtwerke wären fast auf die Rolle eines
reinen Stromhändlers reduziert. Sie sehen eine höhere Kraftwerksleistung – und
die damit verbundene Wertschöpfung – deshalb auch als wichtigen Schritt, die
2500 Jobs im Unternehmen zu sichern.
Politiker aller vier
großen Fraktionen begrüßten diese Pläne. „Eine wichtige, zukunftsweisende
Entscheidung“, sagte OB Dirk Elbers.
SPD-Fraktionschef Markus Raub ist zwar nicht generell gegen neue
Kohlekraftwerke, „wenn dafür alte Dreckschleudern ersetzt werden“, aber für den
innenstadtnahen Standort im Hafen sei Gas die bessere Alternative.