Kohlekraftwerk Düsseldorf vom Tisch, Stadtwerke planen Gasblock
Quelle:   , 23.04.2010, René Schleucher

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Antrag für das Kohlekraftwerk wird endgültig zurückgezogen. Kosten für den nun geplanten Neubau: 350 Millionen Euro.

Düsseldorf. Die Kehrtwende in der Düsseldorfer Energiepolitik ist perfekt. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hat am Freitag einstimmig beschlossen, die Pläne für einen neuen Kohleblock im Kraftwerk Lausward endgültig zu begraben.

„Wir werden den Genehmigungsantrag bei der Bezirksregierung zurückziehen“, sagte Vorstand Rainer Pennekamp. Das ist zwar keine allzu große Überraschung – schon vor einem Jahr sagten die vier großen Fraktionen im Rathaus Nein zu den Plänen, das Projekt ist seitdem klinisch tot –, aber nun ist die Entscheidung unumkehrbar. Und gleichzeitig wird auch klar, wohin die Reise stattdessen gehen soll.

Alternativen sind nicht in Sicht, Entscheidung fällt in einem Jahr

Nachdem lange Zeit auch eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Gas-Blocks E als Option galt, planen die Stadtwerke nun einen Neubau als Ersatz. Dieser neue Block C soll bis zu 420 Megawatt Strom und 250 Megawatt Fernwärme erzeugen.

Experten schätzen das Investitionsvolumen auf rund 350Millionen Euro. Ergänzt werden soll das Konzept „durch mittelfristige Investitionen in erneuerbare Energien im dreistelligen Millionenbereich“. Wie berichtet, werden die Stadtwerke in Kürze eine neue Tochter gründen, die sich etwa an einem Windpark in der Ostsee beteiligen soll.

Die Entscheidung, ob der neue Gasblock gebaut wird, soll in einem Jahr fallen. Bis dahin wird geplant und gerechnet. Sprecher Juan Cava Marin erklärt: „Die Chancen auf Realisierung stehen gut, weil die wirtschaftlichen Parameter besser geworden sind.“ Gemeint sind u.a. die Brennstoff- und Baukosten, die tendenziell günstiger sind als vor ein oder zwei Jahren.

Dazu kommt: Der Neubau ist eigentlich alternativlos. Denn ohne Block E liegt die Eigenerzeugung der Stadtwerke nur noch bei 100 Megawatt. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch 930 Megawatt. Nach der Stilllegung von drei Blöcken bleiben aktuell 520 Megawatt.

Noch weniger wäre ein wirtschaftliches Vabanquespiel: Die Stadtwerke wären fast auf die Rolle eines reinen Stromhändlers reduziert. Sie sehen eine höhere Kraftwerksleistung – und die damit verbundene Wertschöpfung – deshalb auch als wichtigen Schritt, die 2500 Jobs im Unternehmen zu sichern.

 

Politiker aller vier großen Fraktionen begrüßten diese Pläne. „Eine wichtige, zukunftsweisende Entscheidung“, sagte OB Dirk Elbers. SPD-Fraktionschef Markus Raub ist zwar nicht generell gegen neue Kohlekraftwerke, „wenn dafür alte Dreckschleudern ersetzt werden“, aber für den innenstadtnahen Standort im Hafen sei Gas die bessere Alternative.