Kohlekraftwerk trotz hoher Feinstaub-Belastung geplant
Quelle:  West, 03.09.2009, Matthais Oelkrug

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/west/Kohlekraftwerk-trotz-hoher-Feinstaub-Belastung-geplant-id162475.html

 

 

Krefeld. Dicke Luft im Krefelder Hafen. Der genehmigte Grenzwert der Feinstaub-Belastung wurde in diesem Jahr bereits überschritten. Trotzdem sieht das Unternehmen Trianel kein Hindernis für das geplante Kraftwerk: Der Kohleumschlag soll weiter stromabwärts entstehen.

Der Krefelder Rheinhafen hat ein Feinstaub-Problem: An 36 Tagen - und damit das eine entscheidende Mal öfter als zulässig - wurde in diesem Jahr am Uerdinger Logistik-Standort der genehmigte Grenzwert der Feinstaub-Belastung überschritten, teilte das Landesumweltamt Anfang der Woche mit. Pikant: Mit dem Zementwerk und dem Trianel-Kohlekraftwerk im Chempark stehen in Uerdingen gleich zwei Industrieprojekte in der Warteschleife, die laut ihren Kritikern die Feinstaub-Belastung noch einmal deutlich vergrößern werden.

Den Schuh mag sich der potentielle Kraftwerksbetreiber, der Aachener Stadtwerke-Verbund Trianel, freilich nicht anziehen: Zum Einen sei die Anlieferung und Lagerung der Kohle zwar sehr wohl in Uerdingen, aber nicht im eigentlichen Hafengelände vorgesehen: Der von Trianel und der Krefelder Hafengesellschaft eigens dafür geplante neue Anleger soll gut zwei Kilometer nördlich, etwa auf Höhe des Bayer-Casinos, entstehen.

Bürgerinitiative spricht von neuem „Stolperstein“

Laut Unternehmenssprecher Elmar Thyen ist die Feinstaubbelastung durch den Kohleumschlag ohnehin örtlich eingegrenzt und vergleichsweise niedrig: „Bis die Kohle in Krefeld angelandet wird, wurde sie schon mehrfach umgeladen und hat kaum noch Staub, der freigesetzt werden könnte.

Das Kraftwerks-Projekt, so Thyen, sei also durch die Feinstaub-Problematik im südlichen Hafen nicht berührt. Norbert Bömer von der Rheinhausener Bürgerinitiative „Saubere Luft” sieht sich in den Nachrichten dagegen sehr wohl bestätigt: „Natürlich ist die Kohleverladung eine weitere Feinstaub-Quelle, da wird Trianel Akzeptanzprobleme bekommen. Und wir freuen uns natürlich über jeden Stolperstein für die Pläne.“

Der für das Kraftwerk geplante „Nordanleger” ist nicht die einzige Hafen-Erweiterung: Der Hafen wird seit 2007 von der „Hafen Krefeld GmbH & Co. KG”, dem Nachfolger der städtischen Hafen- und Bahnbetriebe Krefeld , betrieben. Seit 2008 besteht außerdem eine in Partnerschaft mit der Nachbargesellschaft „Neuss-Düsseldorfer Häfen”. Laut Betreiber hat er ein Gesamtvolumen von über vier Millionen Tonnen und ist damit der viertgrößte öffentliche Binnenhafen in Nordrhein-Westfalen. Der Hafen verfügt über eine Krananlage mit 200 Tonnen Hebeleistung sowie verstärkte Kaianlagen, die einen Mobilkranumschlag von 450 Tonnen ermöglichen. Die neueste Erweiterung ist das 2008 reaktivierte und erweiterte Containerterminal, mit dem in Zukunft Umsätze von 50 000 Containerbewegungen möglich sein sollen.

Zementwerk liegt bei der Bezirksregierung

Im Gegensatz zum Kohlekraftwerk liegt das geplante Zementwerk (wir berichteten) sehr wohl in Hafennähe. Umweltschützer, darunter auch Bömer, gehen von einer beträchtlichen Umweltbelastung aus, da in einem solchen Werk „letztendlich erhebliche Mengen an Abfällen verarbeitet werden.” Allerdings ist dessen Genehmigung ohnehin in der Schwebe: Der Krefelder Stadtrat hat dem Projekt das „städtebauliche Einvernehmen” verwehrt, sprich: den Bauantrag abgelehnt. Nun ist die Bezirksregierung am Zug.