Wir brauchen
kein Kohlekraftwerk in Krefeld-Uerdingen !!!
Quelle: Ausarbeitung unseres Bürgervereinsmitgliedes Klaus Lippert
Wir
brauchen kein Kohlekraftwerk in Krefeld Uerdingen
Vor nichts haben die Menschen
mehr Angst als das ihnen das Licht ausgeht, der Fernseher sich abschaltet oder
der Herd kalt bleibt. Die Energieversorgung ist und bleibt ein zentrales Thema
in unserer modernen Gesellschaft. „Die Kernkraftwerke stehen vor der
Abschaltung“. „Kohlekraftwerke sind als Dreckschleudern verschrien“.
„Gas und Dampfturbinenkraftwerke sind nicht wirtschaftlich“. „Und
die alternativen Energien können nicht den Bedarf decken und sind zu
teuer“. Es gibt viele „so genannte Schlagzeilen“ die alle
mehr oder weniger stimmen. Mit diesem Artikel hinterleuchten wir die Situation um
eine dieser „Baustellen“: Das Für und Wider der
Kohlekraftwerkplanungen in Krefeld Uerdingen.
Im folgenden Text sollen die wichtigsten Argumente
und Fragen für und gegen diese Kraftwerksplanungen betrachtet werden.
Wer plant,
investiert und betreibt später das Kraftwerk?
Die Trianel
Power-Projektgesellschaft entwickelt, plant, errichtet und betreibt Kraftwerke.
Neben Trianel beteiligen sich Stadtwerke und
kommunale Versorger an dem geplanten Kohlekraftwerk. In den letzten Wochen
haben mehrere Stadtwerke sich aus dem Projekt zurückgezogen – entweder
aus öko-logischen oder ökonomischen Gründen.
Ein
Hauptargument von Trianel und Bayer ist, dass ein
G&D Kraftwerk nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.
Auf der Trianel
Webseite findet man folgende Informationen für das eigene G&D (Gas- und
Dampfturbinenkraftwerk):
„Die im Kraftwerk
verwendete hochmoderne Gas- und Dampfturbinentechnologie kombiniert sowohl hohe
wirtschaftliche als auch besonders umweltfreundliche Vorteile. Neben geringen
spezifischen Investitionskosten, einer schnellen Bauzeit und einer hohen
Flexibilität im Kraftwerkseinsatz zeichnet sich die Anlage durch geringe
Emissionen und eine hohe Energieeffizienz aus. Mit einem elektrischen
Wirkungsgrad von über 57,5 % zählt das Kraftwerk zu den besonders
umweltfreundlichen Anlagen und übererfüllt alle Anforderungen der 13.
Bundesemissionsschutzverordnung bei weitem.“
Bayer benötigt: 120 MW
elektrische Energie und 80 MW Prozesswärme. Grund: Ersatz für zwei alte
Kohlekessel
Aktuell geplant: Großkraftwerk
mit mehr als der 7fachen elektrischen und der 7fachen thermischen Leistung (815
MWel Brutto Leistung und 900 MWth
Prozesswärme)
Trianel
behauptet: Es gibt im lokalen Umfeld eine Stromlücke. Allein die in Duisburg
vorhandenen Kraftwerke in Walsum, Stadtmitte, Wanheim sowie die Blockheizkraftwerke, produzieren
ausreichend Strom um weit über 1 Mio. Haushalte mit Strom zu versorgen. Die
Schwerindustrie produziertteilweise Ihren eigenen
Strom z.B. HKM .
Die Hauptwindrichtung ist West
bzw. Süd/ West. Somit wird zum großen Teil der Feinstaub sowie andere Gifte
nicht nach Krefeld sondern über den Duisburger Westen und Süden getragen und
rieselt dort nieder.
Große Mengen CO2 - verantwortlich
für unseren Klimawandel mit allen weltweiten Folgen für Menschen und Natur. Große
Mengen Feinstäube, die selbst bei moderner
Filterung in die Luft gelangen.
Insbesondere die gefährlichen
kleinsten lungengängigen Feinstäube
können nicht ausreichend gefiltert werden und gelangen in die Lunge
(Lungenkrebs, Asthma) und die Blutbahnen (Herz-, Kreislauferkrankungen). Zusätzliche
große Mengen toxische Stoffe wie Quecksilber, Cadmium, Arsen, …gelangen
in die Umgebungsluft. Eine weitere unbekannte Gefahr eines Kohlekraftwerkes ist
die Radioaktivität.
Bei
vergleichbarer Erzeugung elektrischer Energie geben Steinkohlekraftwerke mehr
radioaktive Stoffe an die Umwelt ab, als Kernkraftwerke bei störungsfreiem
Betrieb!
Gemäß
Strahlenschutzkommission handelt es sich bei den von Kohlekraftwerken nach der
Filterung über den Kamin emittierten Stoffen vor allem um radioaktive Isotope
der Elemente Uran, Thorium, Radium, Blei und Polonium. Ein Kohlekraftwerk hat
also massive gesundheitliche Auswirkungen auf die Bevölkerung in der
unmittelbaren Umgebung.
Hier liegt das Problem bei den
Zulassungen, insbesondere in dem Bundes-Immissionsschutz Gesetz „BImschG“.
Bedingt durch die hohe Grundbelastung in der Umgebung liegen die zusätzlichen
Belastungen eines Kraftwerkes im gesetzlich vorgeschriebenen Grenzbereich.
Dieser hohe Wert wird von Wissenschaftlern und Medizinern schon kritisiert.
Dadurch, dass jede
Schadstoffquelle einzeln betrachtet wird, könnten also theoretisch 100
Kohlekraftwerke in Krefeld einzeln zugelassen und betrieben werden. Hier sieht
man den Fehler dieser Verordnung. Berücksichtigt man aber EU-Richtlinien sieht
es anders aus. Demnach hätten wir jetzt schon massive Überschreitungen von
Staubbelastungen im Krefelder Umfeld wie auch an anderen Stellen in der
Umgebung. Es müssten sogar Schritte unternommen werden, um die aktuelle
Situation zu verbessern.
Durch die geplanten neuen
Dreckschleudern, sprich die Erweiterung der Müllverbrennungsanlage in Krefeld
Uerdingen, das Kohlekraftwerk in Uerdingen und das Zementwerk (verkappte
Müllverbrennungsanlage) im Uerdinger Hafen wird sich die Situation für die
Bevölkerung drastisch verschlechtern. Eine der in unmittelbarere Nähe
befindlichen Feinstaubmessstationen (Uerdinger Hafen) überschreitet jetzt schon
regelmäßig die EU-Grenzwerte und ist von der Häufigkeit der Überschreitungen in
den letzten Jahren trauriger Spitzenreiter in Deutschland. Gibt es mehr als 35
Überschreitungen im Jahr müssen entsprechende Luftreinhaltepläne erstellt
werden. An diesen Zahlen sieht man die extrem hohe Belastung mit Feinstäuben. Auch
die typischen Krebsraten wie Lungenkrebs liegen in dieser Gegend über den
Bundesdurchschnitt.
Weniger
CO2 Mengen beim neuen Kohlekraftwerk.
Ein Argument für das geplante
Kohlekraftwerk ist die Reduzierung von 1,5 Millionen Tonnen CO2 beim Abschalten
vergleichbarer Altanlagen. Das heißt: Das neue Kohlekraftwerk produziert 4,4
Mio. Tonnen CO2 und somit 1,5 Millionen Tonnen weniger als uralte
Kohlekraftwerke bei gleicher Leistungsausbeute. Würde man jetzt ein gleich
großes G&D-Kraftwerk vergleichen, liegt die Einsparung an CO2 bei über 3,7
Mio. Tonnen. Dieses ist eine echte Reduzierung.
Damit ist eine
komplizierte Trennung des CO2 aus den Abgasen gemeint. Dieses CO2 gelangt über
Fernleitungen in entsprechende Speicher, die das Gas für alle Ewigkeiten speichern.
Dieses ist ein Szenario das Trianel nutzt, um das
Kraftwerk als saubere Lösung zu verkaufen.
Bei dieser CO2-Speicherung handelt es sich um eine Technik, die den
Strompreis für die Kohleverstromung massiv erhöhen würde. Außerdem ist es
technisch noch mehr als fragwürdig, ob diese Technologie überhaupt so
eingesetzt werden kann. Die einzigen näher gelegenen günstigen Lagerstätten für
die Speicherung des CO2 befinden sich im weit entfernten Norddeutschen Becken.
Will man das CO2 aus dem Verbrennungsprozess abscheiden, werden enorme
Energiemengen benötigt. Der durchschnittliche Brennstoffmehrbedarf würde
zwischen 30% und 40% steigen und im Gegenzug der gesamte Wirkungsgrad um bis zu
15% sinken – auf evtl. nur noch 32% elektrischen Wirkungsgrad im Falle
des Krefelder Kraftwerkes. Somit liegt der Wirkungsgrad auf ähnlichem Niveau
wie die Altkraftwerke aus den 60er Jahren. Aus 17 Fallstudien ergab sich, dass
die gemittelten durchschnittlichen Gesamtkosten aktuell bei 54€/t CO2
liegen. Das wäre für das geplante Kohlekraftwerk mit einer Leistung von über 4
Mio. Tonnen CO2 im Jahr eine jährliche Mehrbelastung von 216 Mio €. Die Anlagen erreichen dabei auch nur eine Reduzierung
der Treibhausgasemissionen um 67%. 33% geht weiterhin in die Umwelt.
Sieht man den reinen Preis für
die Brennstoffe ist Kohle günstiger als Gas. Entscheidend ist aber auch der
Wirkungsgrad einer Anlage. Ein Wirkungsgrad von 90% anstatt aktuell geplanten 60%
wären bei einem entsprechend dimensionierten G&D-Kraftwerk in Krefeld
möglich. Trianel betreibt selber ein hochmodernes
G&D-Kraftwerk. Auch die Investitionen liegen anstatt über 1 Mrd. € bei
einem angepassten G&D Kraftwerk bei rund 200 Mio. €. Bei der
aktuellen Beschaffungslage für Geld ein nicht unwesentlicher Punkt. Berücksichtigt
man jetzt noch die anfallenden CO2-Zertifikatskosten steht ein
G&D-Kraftwerk noch günstiger da. Addieren wir die Langzeitschäden der
Bevölkerung, aber auch die weltweiten ökologischen Schäden dazu, ist ein
Kohlekraftwerk für die Bevölkerung wesentlich kostspieliger als ein
G&D-Lösung. Diese Berechnungen führten in den letzten Monaten dazu, dass in
Deutschland zahlreiche Kohlekraftwerksplanungen aus wirtschaftlichen Gründen
gestoppt wurden.
Wie
entwickeln sich die Preise für Kohle und Gas?
Innerhalb von neun Jahren ist
der Kohlepreis um 71% gestiegen. Es gibt mittlerweile mehrere Studien die
zeigen, dass der Kohlepreis weiter drastisch steigen wird und die Verfügbarkeit
der Kohle ebenfalls sinkt. Gleiches gilt allerdings auch für Erdgas. Alle
regenerativen Energien fallen dagegen weiter. Schon jetzt produzieren
erneuerbare Energien (Windenergie) wesentlich wirtschaftlicher den Strom als
fossile Kraftwerke.

Nebenkosten,
die jeder Einzelne zahlt!
Es gibt Faktoren die bei
einem Betrieb eines Kohlekraftwerkes selten betrachtet werden, weil die
Rechnung erst in einigen Jahrzehnten kommt. Das deutsche Institut für Wirtschafts-förderung schätzt die Folgen der Umweltschäden
für Deutschland auf rund 137Mrd. US$ pro Jahr (ab 2020). Diese Umweltschäden
verursachen natürlich nicht alleine Kohlekraftwerke. Aber gerade im Bezug auf CO2-Ausstoss
ist dieser Kraftwerkstyp mit verantwortlich für die Klimaerwärmung und deren
Folgen. Die CO2-Schäden in Bezug auf weltweite Umweltschäden schätzt man bis
2050 auf 2.000 Mrd. US$ pro Jahr. Aber auch die zahlreichen Kriege weltweit
werden unter anderem auch um die Rohstoffsicherheit geführt. Es gibt aber auch
Studien, die die
Gesundheitskosten durch Luftschadstoffe
in der EU bewerten. Das Ergebnis: Zwischen 200-600 Mrd. € pro
Jahr muss schon jetzt dafür
aufgebracht werden. Dabei ist ein Jahr weniger Leben mit rund 65.000 €
berechnet. Das ein Kohlekraftwerk nicht alleine dafür verantwortlich ist, ist
ebenfalls klar. Aber ein Kohlekraftwerk ist einer der großen Luftverschmutzer
bei industriellen Anlagen. Die versteckten Stromkosten zahlen wir in Form von
Krankenkassenbeitrag, Militärkosten und sonstigen Steuern. Wenn beispielsweise
der CO2-Ausstieg bis 2050 nicht um 60% reduziert wird erwartet man unter
anderem folgende Schäden: 4 Millionen km² Küstenflächen sind von Überflutungen
bedroht, somit 1/20 der Weltbevölkerung sind direkt betroffen. Rund 550 Mio.
Menschen werden von schweren Hungersnöten heimgesucht.
Wir benötigen große Kohlekraftwerke
um die Energielücke durch den Wegfall der Kernkraft zu kompensieren?
Es gibt zu diesem Thema
zahlreiche Studien, die unterschiedliche Ergebnisse prognostizieren. Eines kann
man aber sagen: Wenn man alle Anstrengungen unternimmt, die heute und in den
nächsten Jahren zur Verfügung stehen, muss es zu keiner Energielücke kommen.
Dazu müssen einerseits die Bevölkerung und die Industrie den Energieverbrauch
massiv reduzieren. Technische Möglichkeiten stehen bereit, sei es durch die
neuen Beleuchtungstechnologien oder besonders effiziente Haushaltsgeräte. Seit
Jahren ist das Thema Energieeinsparungen im Industriebereich das Top Thema auf
jeder Messe und in jedem Industriezweig. Auch in diesem Segment ist viel
Bewegung. Ein weiterer Punkt ist es, im Gegenzug die erneuerbaren Energien
weiter auszubauen. Schon jetzt zeigt sich, dass die Windenergie, insbesondere
im Offshore-Bereich stärker wächst als erwartet. Aber
auch im Photovoltaikbereich steigt der Wirkungsgrad der Panels von derzeit 14%
auf zukünftig über 20% (aktuelle Laborwerte) an. Ein wirtschaftliches Betreiben
solcher Anlagen in unseren Breitegraden ist somit realistisch. Aber auch alle
anderen erneuerbaren Technologien stehen vor dem wirtschaftlichen Wendepunkt.
Eine schnelle Umsetzung ist hier entsprechend gefordert. Die aktuellen
Energielücken gehen 2020 je nach Studie von einer Lücke von rund 0 bis 10.000
MW Leistung aus. Selbst im ungünstigsten Fall könnte man die Lücke durch
massive Anstrengungen schließen. Beispiel: Aktuell bauen/planen die
Kraftwerkshersteller Windkraft-Offshore-Anlagen mit
einer Kapazität von 12.000 MW. Würde man diese Zahl verdoppeln, wäre selbst im
ungünstigsten Falle die Lücke geschlossen. Aber auch von oberster Stelle,
berichtet eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA): Die UBA kommt zu dem
Ergebnis, dass es keine Stromlücke geben wird, wenn die Alternativen engagiert ausgebaut
werden. Voraussetzung dafür ist laut Umweltbundesamt, dass über die bereits in
Bau befindlichen Kraftwerke hinaus keine weiteren neuen Kohlekraftwerke ans
Netz gehen.
Aktuell ist Kohle weltweit mehr vorhanden ist als Gas. Die
Situation in Zukunft sieht ganz anders aus. Die USA mit 27% förderfähigen
Kohlereserven benötigt die Kohle selber und importiert zusätzliche Kohle.
Gleiches gilt für China und Indien, die jeweils 12% der Kohlereserven haben und
zusätzlich Kohle importieren. Somit stehen schon 50% der Kohlereserven nicht
zur Verfügung, sondern diese Länder importieren sogar große Mengen Kohle.
Russland (16%), Europa (7%), Australien (7%) und 19% auf viele Länder verteilt
sind die weiteren Kohlelieferanten. Sechs Staaten teilen sich 85% der
Kohlereserven, wobei nur 16% der Kohlereserven überhaupt inter-national
gehandelt werden. Ein Fördermaximum wird 2025 erreicht. Zusätzliche korrigieren die Länder die
weltweiten Kohlemengen drastisch nach unten. Beispiel Deutschland: Von bisher
23 Mrd. Tonnen wurden die deutschen Kohlereserven um 99% auf 183 Mio. Tonnen
runter bewertet. Dazu ist der Kohleverbrauch in den letzten fünf Jahren
weltweit sehr viel deutlicher gewachsen als der von Öl und Gas.
Wie ist
die Situation bei Gas?
Kohle wird in den nächsten
Jahrzehnten ebenso knapp wie Gas und der Preis steigt bei beiden Rohstoffen
jetzt schon massiv an. Jedoch gibt es
noch viele Gas-Ressourcen, die unentdeckt sind. Allein die Russische Föderation
rechnet damit, das neben den 48 Billionen m³ der eigenen bekannten Erdgas-vorkommen
in den nächsten Jahren weitere Vorkommen in gleicher Größenordnung auf dem
eigenen Gebiet der Föderation gefunden werden. Aktuell wird jährlich mehr neues
Gas gefunden als gefördert wird. Es steht aber auch ab sofort ganz neue
Gas-Quellenländer für Deutschland zur Verfügung. Durch die Erdgasverflüssigungstechnologie
kann jetzt aus weiter entfernten Ländern wie Katar (größte Erdgasvorkommen der
Welt), Nordafrika, Kaspisches Meer oder Nordsibieren,
das Gas zu uns kommen. Schon jetzt transportieren Gastankschiffe mehr Gas nach
Europa als die neue Ostsee-Gaspipeline je transportieren kann. Somit sind wir
nicht mehr abhängig auf die lokalen Gaslieferanten mit dem Pipeline-Monopol.
Bedingt durch die neuen Lieferanten könnte es in Europa zu mehr Wettbewerb
kommen. Mehr Wettbewerb – fallende Preise. Ein weiterer Punkt, der für
Erdgas spricht: Durch eine Erweiterung der Kompetenzen der Bundesnetzagentur
sinken die Durchleitungsgebühren für Erdgas, weil die lokalen Netze zunehmend
reguliert werden. Die aktuelle Monopolstellung wird hiermit der Vergangenheit
angehören. Somit gibt es freieren Zugang auf den lokalen Gasmärkten. Man hofft
auch hier, dass ein stärkerer Wettbewerb zu Preissenkungen führt. Als fossiler Energieträger mit den geringsten CO2-Emissionen
und wegen seiner guten geologischen und technologischen Verfügbarkeit ist
Erdgas ein wichtiger Bestandteil des Energiemix
- kurz- und mittelfristig. Mittel- bis langfristig könnte aber ein
mögliches kleines G&D-Kraftwerk mit Biogas betrieben werden. Der
Fachverband Bioenergie geht davon aus, dass wir bis 2020 zu 17% unseres
Gasbedarfs mit Biogas abdecken können. Interessant ist das auch Trianel in ein deutschlandweites Biosgasnetzwerk
investieren möchte.
Trianel und
insbesondere Bayer argumentieren bei dem geplanten Kohlekraftwerk auch immer
wegen der Arbeitsplatzsicherheit und der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Bau
des Kohlekraftwerkes schafft Arbeitsplätze. Wie es heute auf Großbaustellen
üblich ist, sprechen die wenigsten Arbeiter Deutsch, ganz zu schweigen, dass
diese aus dem lokalen Umfeld kommen. Beim Betrieb eines großen Kohlekraftwerkes
finden rund 160 Personen einen neuen Job. Wobei neue Jobs, relativ ist, da ja im Gegenzug zwei alte Kohlekessel geschlossen
werden und es hier bestimmt einen Personaltransfer geben wird. Ein wesentlich
kleineres G&D-Kraftwerk benötigt nicht so viele neue Arbeitsplätze (ca.
40). Würde man jedoch die gesparten Investitionsgelder (ca. 1 Mrd. € für
ein Kohlekraftwerk gegenüber ca. 200 Mio. € für ein G&D-Kraftwerk) in
regenerative Kraftwerksprojekte einsetzen, würde sich Trianel
an einen der größten Jobmotoren Deutschlands beteiligen. Man rechnet nämlich,
dass bis zum Jahr 2020 in Deutschland bis zu 500.000 neue Arbeitsplätze im
Bereich der erneuerbaren Energien geschaffen werden. Einerseits redet Bayer
auch davon, dass Arbeitsplätze durch das Kohlekraftwerk am Standort Uerdingen
gesichert werden. Jedoch werden regelmäßig Arbeitsplätze vor Ort abbaut. Wie die
Industrie die Politik erpresst, konnte man auch schon nachlesen: „Wenn
die Politiker nicht Ihre Forderungen für ein Kohlekraftwerk zu stimmen, droht
Bayer mit einem Arbeitsplatzabbau von 7.000 Mitarbeitern“. Diese
Vorgehensweise ist übelste Polemik und nicht Image fördernd für ein eigentlich
sehr renommiertes innovatives Unternehmen.
Diese Aussage stimmt heutzutage
so nicht mehr. Eine internationale Studie hat jetzt belegt, dass man durch das
Zusammenschalten von regenerativen Kraftwerken ein Grundlastkraftwerk
erfolgreich simulieren kann. Bei diesem großen Feldtest wurden 36 über ganz
Deutschland verstreute Wind-, Solar-, Biogas- und Wasserkraftanlagen
zusammengeschaltet. Es konnte bewiesen werden, dass ständig eine ausreichende
Menge Strom zur Verfügung gestellt werden konnte. Es wurde somit der Beweis
erbracht das ein großer flächendeckender regenerativer Kraftwerkspark ohne
weiteres in der Lage ist, bisherige Grundlastkraftwerke zu ersetzen. Aktuell gibt es Planungen die geplanten Offshore Windparks mit einer Leistung von 12.000 MW, also
rund die Leistung von 16 geplanten Krefelder Kohlekraftwerken, an die riesigen
Wasserspeicherkraftwerken in Nordeuropa anzubinden. Somit speichern
Nordeuropäische Speicherkraftwerke den günstigen Windstrom und geben diesen bei
Bedarf wieder ab. Schon jetzt gehört Windenergie zu den günstigsten
Energiequellen und sorgt dafür, dass der Strompreis aktuell noch so günstig
ist.
Mehr als 25 neue
Kohlekraftwerke sollen in den nächsten Jahren in Deutschland gebaut werden. In
den letzten Monaten konnte die Bevölkerung vor Ort zahlreiche Planungen stoppen.
Die Gründe sind vielfältig: Seien es Bürgerbescheide, große Mengen Einwendungen,
Klagen oder ein Umdenken der beteiligten Betreiber in Richtung erneuerbarer
Energieproduktion oder G&D. Im letzteren Fall wird auch immer mehr der
wirtschaftliche Gesichtspunkt zum K.O.-Kriterium. Das
wirtschaftliche Betreiben eines Kohlekraftwerkes wird immer kritischer
betrachtet. Teuere CO2-Zertifikate, steigende Rohstoffpreise, drastisch
steigende Baukosten und im Gegenzug günstigere Stromproduktion aus Windkraft
und Co. sorgen für ein immer größeres Umdenken bei den Kraftwerksbetreibern.
Die Gründe der Ausstiege:
Lubmin: Der
öffentliche Druck gegen das Kraftwerk sowie wirtschaftliche Erwägung haben DONG
(Dänischer Betreiber) zum Rückzug bewogen.
Kiel: Neben
wirtschaftlichen Erwägungen und dem Druck durch die Bevölkerung und der Politik
wird jetzt anstatt dem Kohlekraftwerk ein kleines G&D-Kraftwerk geplant.
Emden: Der
dänische Betreiber DONG hat seine Strategie im Bereich Kraftwerksprojekte
geändert und plant anstatt Kohlekraftwerke umweltfreundliche Lösungen in Form
von G&D und erneuerbaren Technologien.
Bremen:
Anhand des dramatischen Kostenanstieges beim Bau eines Kohlekraftwerkes und der
damit zusammenhängenden Wirtschaftlichkeitsbetrachtung haben die Bremer
Stadtwerke das Projekt gestoppt.
Dörpen: Durch
massiven Druck der Bevölkerung auf die lokale Politik wurden aus umwelt- und
gesundheitlichen Gründen die Planungen gestoppt.
Düsseldorf:
Ebenfalls durch massiven Druck der Bevölkerung auf Parteien und Stadtwerke
konnte dieses Kraftwerk verhindert werden. Geplant wird jetzt ein G&D
Kraftwerk. Die Stadtwerke planen jetzt zusätzlich in den Bereich Wind- und
Solarenergie zu investieren.
Herne: Evonik Steag haben trotz
positiven Bescheid der Bezirksregierung, das Projekt aus Wirtschaftlichkeit
verschoben: „Wirtschaftlichkeit ist derzeit nicht gegeben“. Grund:
Preissteigerungen beim Bau sowie der Kauf der CO2-Zertifkikate. BUND klagt
zudem für ein endgültiges Aus der Anlage.
Datteln: Mit
einer erfolgreichen Klage des BUND konnte das im Bau befindliche Kraftwerk zum
großen Teil gestoppt werden. Grund: Schwarzbau bzw. die Vorgaben zum Schutz der
Umwelt sowie der Bevölkerung wurden nicht ausreichend berücksichtigt.
Köln: Da
die Baukosten um 30% stiegen sowie der Kauf der CO2-Zertifkate haben dieses
Projekt unwirtschaftlich gemacht.
Mainz: Durch massiven Druck der Bevölkerung (83%)
hat der Mainzer Stadtrat die Bebauungspläne gekippt: Gründe: unzulässige
Erwärmung des Rheins und fehlende Wirtschaftlichkeit.
Ensdorf: Durch
eine Bürgerbefragung (70% gegen den Bau) votierte der Gemeinderat gegen eine
Änderung des Flächennutzungsplans und somit gegen das Kraftwerk.
Germersheim: Auch
hier hat der Stadtrat durch massiven Druck der Bevölkerung sich gegen das
Kraftwerk ausgesprochen. Quierschied: Bedingt durch schnelle und massive Proteste hat
der Betreiber die Kraftwerksplanung wieder aufgegeben.
Die Alternative zum
geplanten Kohlekraftwerk: Das G&D-Kraftwerk
Ein Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk
ist ein Kraftwerk, in dem die Prinzipien eines Gasturbinenkraftwerkes
und eines Dampfkraftwerkes
kombiniert werden. Eine Gasturbine dient dabei
als Wärmequelle für einen nach geschalteten Abhitzekessel, der wiederum als Dampferzeuger für die Dampfturbine wirkt.
Mit dieser kombinierten
Fahrweise wird im thermodynamischen
Kreisprozess ein höherer Wirkungsgrad erreicht als mit Gasturbinen im
offenen Betrieb oder in konventionell befeuerten Dampfkraftwerken. Ein kleines
G&D-Kraftwerk ist von der Investitionssumme wesentlich geringer als ein
großes Kohlekraftwerk (im aktuellen Fall: Rund 1,x Mrd.
€ gegenüber rund 200 Mio. €). Es spricht neben den geringen
Investitionskosten auch das kleinere Risiko bei den zukünftigen
CO2-Zertifikaten und den damit verbundenen Kosten. Ein G&D-Kraftwerk
produziert im Verhältnis zu einem Kohlekraftwerk weniger als die Hälfe an CO2.
Somit halbiert sich hier auch das Risiko. Die vergleichsweise hohen variablen
Kosten bei einem G&D-Kraftwerk kommen durch den höheren und schwankenden Gaspreis
zustande. Durch entsprechende große Gasspeicher, welche auch Trianel besitzt, können die Schwankungen reduziert werden
bzw. zu günstigen Kursen Gas eingekauft werden. Zudem muss der Gaspreis im
Verhältnis zum höheren Wirkungsgrad eine G&D-Kraftwerkes betrachtet werden.
In Malmö und Wien werden beispielsweise G&D-Kraftwerke mit Wirkungsgraden
von 89% bzw. 88% eingesetzt.
Die lokale Politik ist
gespalten in Befürworter des Kohlekraftwerkprojektes (CDU, FDP, SPD (SPD immer
mal wieder schwankend, aktuell aber dafür) und Gegnern (Die Grünen). Auf
Landes- und Bundesebene sieht es ähnlich aus, wobei auf dieser Ebene seltener
konkrete Aussagen getroffen werden. Auf Landesebene gab es bisher mehr
Befürworter für das Kohlekraftwerk. Bedingt durch die Landtagswahlergebnisse
kann sich dieses jetzt ändern.
Durch Einwendungen kann die
Bevölkerung Ihre Meinung verstärkt zum Ausdruck bringen. Wer eine Einwendung
erstellt, könnte dann später auch klagen. Bei einer hohen Teilnahme an Einwendungen
kann der politische Druck so groß werden, dass die Meinung der Politiker sich
ändert und einer Genehmigung nicht zustimmt wird. Solche Entscheidungen gab es
in den letzten Monaten häufiger. Falls der Druck durch die Einwendungen nicht
ausreicht, könnte eine Klage das Projekt stoppen. Hier hat der BUND schon
angekündigt, entsprechende Schritte einzuleiten. Unterstützen kann die
Bevölkerung eine Klage durch entsprechende Spenden.
Ab 14. 5. legt die
Bezirksregierung Düsseldorf den Antrag zur Genehmigung eines Kohlekraftwerkes
in Uerdingen zur Einsicht aus. Innerhalb
von 6 Wochen können dann gegen diese Unterlagen Einwendungen erstellt werden.
Nach dieser Frist muss zu jeder Einwendung Stellung genommen werden. Dieses
kann ein Verfahren bei vielen Einwendungen drastisch verzögern. Die
Bezirksregierung wird die Unterlagen sowie die Bedenken der Bevölkerung
bewerten und entsprechend das Kohlekraftwerk
genehmigen oder sich dagegen aussprechen. Nach der Einwendungsphase kann jeder,
der eine Einwendung abgegeben hat, gegen diese Kraftwerksplanungen klagen. Der
BUND hat für dieses Uerdinger Kraftwerk schon signalisiert, diesen Weg notfalls
zu gehen. Das Bundesverwaltungsgericht wird dann entscheiden, ob der Klage
zugestimmt wird oder nicht. Solche Prozesse können über einen längeren Zeitraum
gehen.


Eckdaten des geplanten
Kohlekraftwerkes:
Kraftwerksnettoleistung: 815
MWel und zusätzlich ca. 900 MWth
Chem-Park
benötigt: 120
MWel und 20MWth
elektrischer Wirkungsgrad: 47%,
inkl. Dampfauskopplung: 57%
Auskopplung an Dampferzeugung: 80 MWth
Bauphase: 4-5
Jahre
Arbeitsplätze: ca.
160
Schadstoffe:
Ab dem 14.5.2010 werden die
Planungsunterlagen für die Öffentlichkeit freigelegt. Ab diesem Zeitraum können
Einwendungen gegen diese Planungen gestellt werden. Rund 100.000 Vordrucke von
Einwendungen verteilen die Gegner in Krefeld und Duisburg verteilt.
Was
bringt das?
Die Anzahl der Einwendungen
gibt eine Aussage, wie weit die Bevölkerung hinter diesem Projekt steht. Bei einer
hohen Einwendungszahl kann der Druck auf die Politik so groß werden, dass es
hier ein Umdenken geben könnte. Schließlich sind die Politiker das Sprachrohr
der Bevölkerung. Auf jede Einwendung muss einzeln geantwortet werden. Bis alle
Einwendungen beantwortet werden, können einige Monate vergehen. Je weiter sich
das Projekt nach hinten verschiebt, desto unwahrscheinlicher dass das
Kohlekraftwerk gebaut wird. Jeder der eine Einwendung schreibt, hat zudem
später das Recht zu klagen. Durch Spendensammlungen soll zudem ermöglicht
werden, dass der BUND gegen das Kohlekraftwerk klagt.
Kohlekraftwerk evtl. nur ein verspäteter Aprilscherz von Bayer?
Neben der CO-Pipeline wurde
parallel von Düsseldorf Hubbelrath nach Uerdingen
eine Erdgas Pipeline verlegt. Im Genehmigungsbescheid des Regierungspräsidenten
Düsseldorf vom 14.02.2007 wird diese Wingas-Pipeline
damit begründet, dass Bayer beabsichtige, innerhalb von 10 Jahren ein Gas- und
Dampfturbinenkraftwerk mit Kraft-Wärmekopplung in Uerdingen zu bauen. Dieses
Kraftwerk solle Kohlekessel im Chempark ersetzen und
somit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten!
Weiterer Aprilscherz:
Auf der Hauptversammlung der
Bayer-Aktionäre am 30.04.2010 in Köln wurde vom NUV-Vorstandsmitglied
Harald Jochums gefragt, ob man an dieser gasbasierten Energienutzung festhalte. Die Antwort des
Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning war
eindeutig. Man halte an der Planung fest und wolle nur noch einen Kohleanteil
von 20% gegenüber einem Gasanteil von 80% bei der Energiebereitstellung.
Fazit:
Von den zahlreichen Argumenten
für den Bau des Kohlekraftwerkes in Uerdingen konnten fast alle widerlegt
werden. Einige sind übergeblieben, die aber nicht den Stellenwert haben, um ein
Kraftwerk dieser Bauart zu rechtfertigen.
-
Das Trianel und Bayer aus
Risikoabgrenzung einen Energiemix erreichen möchte ist nachvollziehbar. Aber
geht dieses nicht mit alternativen Energien und G&D. Trianel
lebt dieses doch schon vor. Bei dem großen Offshore
Windpark in der Nordsee ist Trianel beteiligt.
-
Das Argument „es gibt keine langfristigen
Lieferverträge für Gas“ ist nicht möglich zu überprüfen und kann daher
ein Grund sein. Aber wie realisiert Trianel es dann
mit dem eigenen G&D Kraftwerk in Hamm? Außerdem könnte man bei einem weiteren
G&D-Kraftwerk eher bessere Einkaufpreise durch größere Mengen bekommen.
-
Und bei schwankenden Gaspreisen versorgt sich Trianel mit einem eigenen großen Gasspeicher. Somit ist es
möglich auch kurzfristig auf Preisschwankungen gegen den Preistrend zu
reagieren.
-
Die Gewerbesteuer ist für Krefeld bei dem geplanten
Großkraftwerk bestimmt höher als bei einem kleinen angepassten
G&D-Kraftwerk und könnte für die lokalen Politiker ein Argument sein, die
klammen Kassen aufzubessern. Dieses geht allerdings auf die Kosten der
Bevölkerung und ist zudem kurzsichtig gedacht, weil globale Umweltschäden auch
Krefeld treffen könnten.
-
Das Trianel einen
Wettbewerb zu den anderen Energielieferanten bieten möchte ist positiv und kann
nur unterstützt werden – aber bitte unter ökonomischer und ökologischer
Betrachtung - also mit einem G&D-Kraftwerk.