Kraftwerk: Streit mit
Duisburg
Quelle: RP vom 26.01.2010, Sebastian Peters und Mike
Michel
Krefeld
(RP) Der Duisburger Rat hat am Montagabend die Genehmigung
einer Kühlwasserleitung versagt. Der Currenta-Betriebsrat
Detlef Rennings wirft den Duisburgern jetzt vor, ihr
eigenes Kraftwerk vor Konkurrenz schützen zu wollen.
Zwei Projekte im Uerdinger Chempark sorgen für politische Missstimmung zwischen
Krefeld und Duisburg. Montagabend hat der Duisburger Rat eine
Kühlwasserleitung für das geplante Steinkohlekraftwerk abgelehnt, die 210 Meter
auf Duisburger Stadtgebiet laufen soll; auch die CDU votierte dagegen, nur die
FDP war für die Genehmigung.
Außerdem
haben sich die Duisburger SPD-Landtagsabgeordneten Gisela Walsken
und Ralf Jäger gegen die für den Chempark wichtige
CO-Pipeline ausgesprochen. Vor den NRW-Landtagswahlen droht der Chempark zum politischen Spielball zu werden.
7000
Arbeitsplätze hängen am Chempark, auch 1200
Duisburger arbeiten im Werk. Stefan Dresely, Leiter
des Chemparks, warb deshalb in den vergangenen Tagen
um ein positives Votum der Duisburger Politik: "Wir brauchen für die
Umsetzung dieses Projektes die Unterstützung unserer Nachbarn, ganz besonders
die der Stadt Duisburg.“
„Durchaus
widersprüchlich“
In
der Nachbarstadt mehren sich die kritischen Stimmen gegen den Uerdinger Chempark. Ein weiteres Anzeichen ist die Forderung der
Duisburger SPD-Landtagsabgeordneten Gisela Walsken
und Ralf Jäger an die Bezirksregierung, die Genehmigung für die CO-Pipeline
zurückziehen und die Betriebserlaubnis ablehnen. Im Duisburger Westen, direkt
an der Stadtgrenze zu Krefeld, nimmt die SPD Anstoß am geplanten Kohlekraftwerk
– mit Erfolg, wie die gestrige Ratssitzung zeigte.
Selbst
SPD-intern ist allerdings der Kurs umstritten. Rainer Bischoff,
SPD-Landtagsabgeordneter für den Duisburger Westen, räumte im Gespräch mit
unserer Zeitung ein, dass auch er es für ein Paradoxon hält, dass Duisburg in Walsum, an der Grenze zu Dinslaken, ein Steinkohlekraftwerk
baue, während sie im Westen das Krefelder Kraftwerk ablehne. "Das ist
durchaus widersprüchlich", sagte Bischoff. Rechtlich sei die Ablehnung der
Kühlwasserleitung und eines dort ebenfalls in Betracht gezogenen Kohleförderbandes
aber legitim. "In den Unterlagen der Verwaltung wird allerdings
ausschließlich planungsrechtlich argumentiert.“
Der Currenta-Betriebsrat sieht die Signale aus Duisburg mit
Sorge: "Unsere Duisburger Kollegen sagen mir neuerdings oft, dass sie
nicht mehr wissen, wen sie noch wählen sollen", sagt Detlef Rennings, Betriebsratsvorsitzender von Currenta.
Er glaubt, dass die Duisburger Politik nicht aus umweltrechtlichen Gründen
gegen das Krefelder Kraftwerk ist: "Die Duisburger sind durch ihr
Kraftwerk gut mit Strom versorgt, warum sollten sie mit dem Krefelder Kraftwerk
eine Konkurrenz neben sich dulden?“
Die
Bezirksregierung Düsseldorf lässt noch offen, wie sie mit der Entscheidung aus
Duisburg umgeht. Sprecherin Jennifer Spitzner
bestätigte unserer Zeitung, dass ihre Behörde ein rechtswidriges gemeindliches
Einvernehmen ersetzen kann. Andernfalls gäbe es für Trianel
die Möglichkeit einer Schadensersatzklage. Spitzner:
"Die Bezirksregierung wird das Genehmigungsverfahren rechtmäßig
durchführen, so das für diese Fragestellung kein Raum bleibt.“