Heftiger Gegenwind für den
Chemiepark Uerdingen
Quelle:
WZ vom 12.06.2009
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aus der WZ von heute: Heftiger Gegenwind für den Chemiepark Uerdingen von Dagmar Groß Analyse: Die CO-Pipeline ist ein Fall für die
Juristen, das Kraftwerk umstritten. Was bedeutet das für den Standort? Krefeld.
Bayer-Vorstandschef Werner Wenning hat
bereits angedeutet, dass der Standort Uerdingen ohne die CO-Pipeline in
Gefahr sei. Auch unter den Krefelder Politikern kursiert mehr oder weniger
offen die Frage, wie es denn mit dem Chemiepark weitergeht, ob das Kraftwerk
überhaupt noch gebraucht wird. Denn derzeit dominieren schlechte Nachrichten
die Schlagzeilen. Bayer
Uerdingen – das war immer der Fels in der Brandung, Garant für Arbeit,
Sport, Kultur und soziales Engagement. Mittlerweile ist der „Chempark“ an gleicher Stelle ein Industriegebiet
für mehrere Firmen. Man steht im Wettbewerb mit Standorten in der ganzen
Welt. Der
Bau des Kohlekraftwerkes und der CO-Pipeline sollen den Standort sichern, die
Unternehmen unabhängiger von schwankenden Energie- und Rohstoffmärkten
machen. Doch beide Projekte kommen nicht voran. Die wirtschaftliche Lage „Eine
solche Entwicklung haben wir bei Bayer noch nicht erlebt“ – so
hat Vorstandschef Werner Wenning die Ergebnisse der
Bayer Material Science (BMS) im ersten Quartal 2009 beschrieben. 34,9 Prozent
Umsatzrückgang machen sich auch im Gesamtkonzern bemerkbar. Die von BMS
produzierten Kunststoffe werden zum Beispiel in der gebeutelten Autoindustrie
eingesetzt. Der Krefelder Standort ist ein BMS-Standort,
die weltweit größte Produktionsstätte für Makrolon.
330000 Tonnen werden hier pro Jahr produziert. Entsprechend der
Weltwirtschaftslage sind hier, genau wie bei Lanxess,
sowohl die Arbeitszeiten als auch die Löhne gekürzt worden. Und
Chemiepark-Partner Tronox ist in der Insolvenz. Die CO-Pipeline Kohlenmonoxid
wird in Krefeld für die Makrolon-Produktion
benötigt. Das Dormagener Werk kann CO abgeben. Durch die direkte Verbindung
per Pipeline könnten beide Standorte profitieren. Die 67 Kilometer lange
unterirdische Leitung kostet rund 90 Millionen Euro und ist so gut wie
fertig. Das
Genehmigungsverfahren war beim Regierungspräsidenten schon durch, als
Anwohner – vor allem im Kreis Mettmann – sich gegen das Projekt
stellten. Seitdem wird der Streit vor Gericht ausgetragen. Zuletzt wurde ein
Eilverfahren abgeschmettert. Dagegen könnte Bayer jetzt erneut klagen oder
aber das Hauptsacheverfahren abwarten. Das aber kann dauern. Die
Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde hat bereits signalisiert, dass man
abwarten wolle. Bayer hat sich noch nicht geäußert. Das Kohlekraftwerk Bayer
will das geplante Kohlekraftwerk für den Bauherrn Trianel
im Chemiepark betreiben und selbst ausgekoppelten
Dampf für die Produktion nutzen. Das neue Kraftwerk soll zwei alte
Kohlekessel ersetzen. Deshalb kommt für den Konzern auch kein Gaskraftwerk in
Frage. Man möchte einen Energiemix nutzen, um eine möglichst sichere
Versorgung zu haben. Neben
den Protesten in der Bevölkerung ist auch die Stimmung in der Politik
gespalten. Während FDP und SPD das Projekt unterstützen, sind die Grünen
strikt gegen ein Kohlekraftwerk. Die
CDU hingegen versucht für ihre Zustimmung noch Zugeständnisse herauszuholen.
Zum Beispiel die Anlieferung der Kohle über den Krefelder Hafen, der dafür
ausgebaut werden müsste. Auch für diesen Ausbau ist ein Genehmigungsverfahren
nötig, das der Regierungspräsident gerne mit dem Kraftwerksantrag zusammen
behandeln würde. Allerdings hat die Stadt diesen Antrag noch gar nicht
gestellt, was erneut für rund vier bis sechs Wochen Verzögerung sorgen wird.
Dann erst kann die Anhörung starten, was nach Schätzungen der
Bezirksregierung rund acht Monate dauern könnte – wegen der Vielzahl
der zu erwartenden Einsprüche. Wie geht es weiter? Für
das zweite Quartal erwartet Bayer eine Ergebnis-Verbesserung bei BMS. Sollte
dies nicht eintreten, wird das möglicherweise weitere Entscheidungen
beeinflussen. Im Zusammenhang mit der Pipeline hatte Wenning
bereits angedeutet, dass weitere Verzögerungen sich negativ auf Investitionen
am Standort Uerdingen auswirken. Das schließt wohl auch das Kraftwerk ein.
Profitieren würde vermutlich der Kunststoff-Standort Antwerpen. Die
Auswirkungen auf Krefeld wären verheerend. Nach wie vor engagiert Bayer sich
für Sport, Kultur und Soziales. Vor allem aber wackeln 7000 Arbeitsplätze, an
denen eine Kaufkraft von rund 230Millionen Euro hängt. Der Stadt fehlte dann
ein Gewerbesteuerbetrag im unteren einstelligen Millionenbereich. |
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