"Bayer
schadet Standort NRW"
Quelle:
vom 20.10.2009
VON JÜRGEN FISCHER - zuletzt aktualisiert: 13.10.2009
Mettmann/Erkrath (RP) Die
CDU-Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Mettmann werfen Bayer grobe Fehler und Unprofessionalität
beim der Bau der CO-Pipeline vor. Der Konzern selbst sei Schuld, dass die
Leitung nie akzeptiert werden wird.
Bayer selbst ist dafür
verantwortlich, dass die entlang der Trasse der CO-Pipeline lebenden Anwohner
die Leitung "nicht akzeptieren und niemals akzeptieren werden". In
einem gehharnischten offenen Brief an Bayer-Chef
Werner Wenning nehmen die vier Landtagsabgeordneten
der CDU aus dem Kreis Mettmann jetzt Stellung und verwahren sich gleichzeitig
gegen den Vorwurf einer von Wenning beklagten
"wachsenden Industriefeindlichkeit".
In dem unter anderem
von Marc Ratajczak (Wüfrath/Mettmann)
und Harald Giebels (Erkrath/Mettmann) unterschriebenen Brief nennen die
Abgeordneten als einen Grund für die fehlende Akzeptanz "unterlassene
Informationen" und eine für einen Weltkonzern wie Bayer
"unprofessionell wirkende Kommunikation".
Augen zu und durch
Trotz des erkennbaren
Widerstandes der Bevölkerung und der Politik fehle jegliches Entgegenkommen des
Konzerns, um konstruktive Lösungsvorschläge zu suchen. Die Devise von Bayer sei
offensichtlich "Augen zu und durch". Die Abgeordneten – außer Ratajczak und Giebels der Ratinger
Wilhelm Droste und der Langenfelder Hans Dieter Clauser
– hätten immer wieder Anstrengungen unternommen, um die Ängste und Nöte
der betroffenen Menschen deutlich zu machen.
Wenning scheine über den
Sachverhalt nicht ausreichend informiert, so die CDU-Abgeordenten.
Anders sei die Aussage Wennings nicht zu verstehen,
dass nur "kleine lokale Gruppen und Kommunalpolitiker" besorgt seien.
Die Landespolitiker halten in ihrem Schreiben dagegen, dass nicht nur alle zehn
Bürgermeister aller kreisangehörigen Städte, der Landrat und alle
Landtagsabgeordneten aus dem Kreis dieser "falschen Behauptung"
entgegenstehen, sondern darüber hinaus inzwischen 103 000 Bürger, die mit ihrer
Unterschrift ihre Ablehnung der Pipeline dokumentiert haben. Damit hätten
bereits annähernd so viele Menschen gegen die CO-Leitung unterschrieben, wie
der Bayer-Konzern Mitarbeiter habe. Bürger und Politik im Kreis Mettmann
stünden geschlossen und mit großem Engagement gegen die Inbetriebnahme der
CO-Pipeline.
Nicht die Bürger und
die Politiker aus dem Kreis Mettmann würden den Wirtschaftsstandort NRW
beschädigen, sondern das "mehr als kritikwürdige Vorgehen Ihres Konzerns".
Wenn der Vorstandsvorsitzende andererseits Verlässlichkeit für die Industrie
fordere, so befremde dies sehr. Habe doch Bayer "vielfach und wiederholt
nachweislich mit Wissen und Wollen gegen Auflagen des
Planfeststellungsbeschlusses verstoßen". Die Abgeordneten beziehen dies
unter anderem auf die Bauausführung trotz fehlender Kampfmittelfreigabe, auf
die Verwendung dünnerer Rohre und schmalerer Schutzmatten.

Die
Bürger werden die Pipeline nie akzeptieren, schreiben die CDU-Abgeordenten
an Bayer-Chef Wenning.
Hier
eine Demonstration gegen die Pipeline in Erkrath. www.rp-online.de/mettmann
RP-Foto/Archiv: Dietrich Janicki
INFO
Der Brief
Der
Brief der vier CDU-Abgeordneten umfasst mehr als vier eng beschriebene DIN
A4-Seiten und ist an den Vorsitzenden des Vorstands der Bayer AG Werner Wenning adressiert. Darin fordern sie: Die Sicherheit der
betroffenen Menschen darf nicht geopfert werden. CO müsse dort verarbeitet
werden, wo es entsteht, und darf nicht transportiert werden