Die
Front wird breiter
Quelle:
- Süd vom 15. Oktober 2009
Die Bombenfunde im Rhein sowie ein neuer Flyer
der Firma Bayer rufen die Bürgerinitiativen gegen
die Kohlenmonoxid-Pipeline auf den Plan. Erich
Hennen, Sprecher der Duisburger Bürgerinitiative COntra-Pipeline, zu den Funden: „Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit
liegen solche Blindgänger in Nähe der gemeinsamen Trasse der CO-Giftgaspipeline
und der Wingas-Erdgasleitung." In einem offenen
Brief an Werner Wenning, Vorsitzender des Vorstands der Bayer-AG, machen nun auch vier Landtagsabgeordnete der CDU-Fraktion, alle aus dem Kreis Mettmann, gegen die
Fernleitung Front.
Wie schon bei der
gemeinsamen Pressekonferenz der Bürgerinitiativen im Steinhof zu den fehlenden
Nachweisen der Kampfmittelfreiheit weist die Duisburger Initiative noch einmal
auf die Problematik hin. „Laut Bericht des Innenministeriums Gefahrenabwehr/Kampfmittelbeseitigung
2008' wurden lediglich 115 Bomben (42%) der Blindgänger durch
Luftbildaufnahmen und 59 Bomben (21,5) % durch Sondierung/Detektion
gefunden. Die erschreckend hohe Anzahl von 100 Bomben (36,5%) wurde nicht
entdeckt, sondern erst bei Erdarbeiten aufgespürt", so Erich Hennen.

Trasse
soll komplett detektiert werden: Erich Hennen.
Der Sprecher der Duisburger BI verweist weiter darauf, dass Gefahren nicht nur durch Baggerarbeiten bei Blindgängern drohen:
„Da diese Blindgänger zum Teil brisante chemisch-mechanische Langzeit‑
»Blindgänger
erst bei Erdarbeiten gefunden«
zünder besitzen, sind Selbstexplosionen jederzeit
zu erwarten. Eine 250-kg-Bombe erzeugt dabei einen Krater von sechs Metern
Tiefe und 15 Metern Durchmesser, wie in Hessen am 1. Juni dieses Jahres geschehen
ist."
Hennen
macht noch einmal die „unverzichtbare Forderung" der
Bürgerinitiative COntra-Pipeline deutlich: Die
gesamte Duisburger Trasse der mittlerweile verlegten CO-Leitung von 17,5
Kilometern müsse gründlichst detektiert werden. Für
die Stadt Duisburg verlangt Stadtdirektor Dr. Peter Greulich
in einem Schreiben an die Bezirksregierung Klarheit darüber, wie sich die Büssow-Behörde den weiteren Umgang mit den restlichen
13,5 Kilometern Trassenverlauf vorstelle, nachdem Büssow
ja eine Überprüfung der 3,5 Kilometer langen Strecke östlich der Rheinquerung bei
Ehingen angeordnet hat.
Erich
Hennen: „Auch wenn die CO-Giftgas-Pipeline höchstwahrscheinlich nie in Betrieb
gehen wird, bleibt diese Forderung wegen des hohen Gefährdungspotentials und den
Erfahrungen aus mehreren schweren Erdgas-Pipeline-Unglücken bestehen."
Deutliche
Worten finden in einem offenen Brief die vier
CDU-Landtagsabgeordneten Marc Rataiczak, Hans-Dieter Clauser, Dr. Wilhelm Droste und Harald Giebels an den
Bayer-Vorstandschef Werner Wenning. Die Bayer-AG, so der Tenor, sei auf Grund ihrer unterlassenen
Informationen sowie einer „aus der Sicht vieler Betroffener für einen
Weltkonzern wie Bayer unprofessionell wirkenden Kommunikation" für die
mangelnde Akzeptanz des CO-Projekts selbst verantwortlich.
»Unprofessionelle Kommunikation«
„Trotz
des erkennbaren Widerstandes in der Bevölkerung und der Politik fehlte
jegliches Entgegenkommen, konstruktive Lösungsvorschläge zu untersuchen",
heißt es in dem offenen Brief weiter. Sie fordern, dass an den beiden
Standorten Dormagen und Uerdingen das dort jeweils entstehende CO unmittelbar
verarbeitet werden soll.

Ob später einmal durch diese Leitung in
Mündelheim CO fließen wird - der Widerstand wird immer heftiger. Foto: Eickershoff
K O M M E N T A R
So bitte nicht
Florian Müller
Sie wird deutlich dünner, die
Luft für Bayer Material Science, den Pipeline-Bauer WINGAS und auch für die
Düsseldorfer Genehmigungsbehörde. Breitseiten gegen die Kohlenmonoxid-Leitung
von Worringen nach
Uerdingen setzt es immer häufiger, der Schulterschluss auch vor Ort
zwischen Bürgeriniativen und Kommunen wird enger.
Dankbar nehmen es die Mitglieder der Duisburger Bürgerinitiative Contra-Pipeline auf, dass auch die Stadt
Duisburg mit Dezernent Dr. Peter Greulich an der Spitze rigoros deutlich macht: So bitte nicht und eigentlich gar nicht. Dass die Breitseiten
von Bürgerinitiativen und betroffenen Kommunen
nun immer deutlicher werden, hängt natürlich mit dem bevorstehenden
Beginn des Hauptsacheverfahrens zusammen. Und die Gegner können sich sicher sein:
Auch Richter lesen Zeitungen.
„Olle Kamellen'
im neuen Flyer
Streit um Sicherheitsniveau bei Schiebern
Als „Olle
Kamellen ohne Wert für Betroffene und Gericht" bezeichnet Dieter Donner,
Pressesprecher der Initiativen gegen die
CO-Pipeline, den neuen Flyer von Bayer zu diesem
Vorhaben. Kritik gibt es weiter von den BI's,
„dass die Schieberstationen nicht mehr explosionsgeschützt
aufgebaut werden müssen", so Donner. Dies bezeichnet die Düsseldorfer Genehmigungsbehörde als Fehlinformation. „Alle Verbindungen an den fünf Absperrstationen, und nur darum geht es hier, sind auf Dauer
technisch dicht ausgeführt. Da hierdurch die Voraussetzung für die Bildung einer
explosionsfähigen Atmosphäre nicht gegeben
ist, ist eine Ausweisung von Explosionsschutzzonen an den Absperrstationen nicht erforderlich. Dies
wurde auch zuvor durch den Sachverständigen des TÜV geprüft und bestätigt",
so die Bezirksregierung. Auf Duisburger Stadtgebiet liegt am Winkelhauser Weg eine
der fünf Schieberstationen. Abteilungsleiterin Dr. Elke Bartels für die
Bezirksregierung: „Durch eine
Verfremdung der Sachlage werden hier
Ängste erzeugt. Die genehmigte Planänderung führt nicht zu einer
Absenkung des Sicherheitsniveaus der CO-Leitung. Im Übrigen ist diese Thematik Gegenstand einer Klage und
unterliegt somit der Überprüfung durch das Verwaltungsgericht".
F.Müller

Dieter Donner.